Festival-Vorbericht

TakeRoot Festival 2015


Island, Lettland, Kanada – viele Festivals wie das Reeperbahn Festival machen es sich zur Aufgabe, die Bands bestimmter Länder in Showcases zu präsentieren. Eine solche Veranstaltung für die USA, deren Musiker sowieso jeder kennt, wäre natürlich Quatsch. Wobei: wäre sie das wirklich?

Schließlich hat gerade ein kulturell so vielfältiges Land wie die USA auch in musikalischer Hinsicht so viel zu bieten, was über Dicke-Hose-Hip-Hop und Stadionrock hinausgeht – da ist es nur konsequent, dass das TakeRoot in Groningen mittlerweile schon zum 18. Mal die Musik Nordamerikas präsentiert, wobei es sich vorrangig auf jene konzentriert, die einem mehr klassisch geprägten, rustikalen Bild des Landes entspricht. Das Festival selber spricht von einer Reise aus einem Blue Motel über eine Scheune voller feiernder Countryliebhaber hin zu einem Lagefeuer mit ehemaligen Baumwollpflückern. Und nennt Authentizität und Gefühle, die man mit Herz und Seele rüberbringt, als verbindendes Element der auftretenden Künstler. Zu Recht.

Man merkt schon – wer einem gewissen Blues- und Countrytouch in seiner Musik nichts abgewinnen kann, der wird auf dem TakeRoot nicht glücklich werden. Aber wie verschieden Künstler diesen doch in ihre Musik integrieren können! Man nehme da nur die Bands, die die größte Bühne des Groninger De Oosterpoort bespielen: Den mal elektrisch angehauchten, mal Kammermusik huldigenden Conor O'Brien alias Villagers. Die Americana-Mucker Dawes. Und schließlich My Morning Jacket, über die man einem potentiellen Freund von Gitarrenmusik nun gar nichts mehr sagen muss. Dazu noch drei andere Bühnen mit mal mehr, mal weniger namhaften Bands und Solomusikern – von denen sich keiner mit weniger als 60 Minuten Spielzeit zufrieden geben muss. Wer hat schon was von zwanzigminütigen Pseudo-Auftritten?

Das TakeRoot Festival findet am 12.9. im De Oosterpoort in Groningen, 40km von der deutschen Grenze entfernt, statt. Tickets (zu einem Preis von 39,90€) und das komplette Line Up gibt es unter www.takeroot.nl.

Jan Martens

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