Festival-Vorbericht

Alínæ Lumr 2017


Neben reichlich Gewässer und inmitten der Stadttore Storkows findet dieses Jahr zum dritten Mal das Alínæ Lumr statt. Was genau es mit dem Namen des Festivals auf sich hat und wie man ihn ausspricht, wissen wir immer noch nicht. Was auf uns zukommt, schon.

"Nimm Dir Essen mit, wir fahren nach Brandenburg!?, rät Reinald Grebe in einem seiner Songs und möchte seine HörerInnen vor dem Hungertod im großen Nichts des riesigen Bundeslandes bewahren. Aber anders als Grebe singt, gibt es im beschaulichen Brandenburg weit mehr als gelangweilte Nazis und heimatsuchende Wölfe. Dank der üppigen Natur und der glasklaren Seen hat sich so mancher Fleck Brandenburgs zum netten Wochenendziel großstadtmüder Berliner gemausert – man könnte auch sagen: Brandenburg ist für den gemeinen Berliner das, was die Hamptons für den New Yorker sind. Wenn auch, wie für Berlin üblich, etwas angerosteter und mit weit weniger Glamour.

Aber wer braucht schon Schnickschnack, wenn er auch auf bezaubernden Festivals seine Wochenenden verbringen kann?! Tatsächlich sind in den letzten Jahren die kleinen, aber feinen Musikveranstaltungen um die Hauptstadt herum regelrecht aus dem Boden geschossen. Das Alínæ Lumr ist eines von ihnen und findet dieses Jahr zum dritten Mal statt: In Storkow dürfen sich erneut übersichtliche 1000 Besucher einfinden und vom 25. bis 27. August ein gut kuratiertes Line-up genießen. Hannah Epperson und Lor hängen den Brandenburger Himmel voller Geigen, während Bands wie Oum Shatt, The Notwist oder Timber Timbre zeigen, wie sich Indie-Rock anhört, wenn er vor Unaufgeregtheit strotzt. Elektronisch und mitunter abgefreaked wird's mit Deerhoof oder Coals. Besondere Vorfreude gilt außerdem spannenden Acts wie Great Atlantic, Ten Fè und Dear Reader.

Der rote Faden dieses Line-ups ist definitiv seine Erhabenheit: Es stehen hier KünstlerInnen auf der Bühne, die mit viel Gespür für das Besondere, Sphärische, aber auch Verwunschene ausgesucht wurden. Passt ganz gut zur Kulisse des Festivals: Das Alínæ Lumr spielt sich zwischen der Burg Storkow, der Altstadtkirche und dem Marktplatz ab. Hier soll also nicht nur jenseits der Tore in Ruhe gefeiert und getanzt werden, sondern am besten direkt mit der gesamten Stadt Storkow. Außerdem kann man auf der Homepage des Alínæ Lumr nachlesen, was die Umgebung sonst so zu bieten hat – Fahrrad mitnehmen lohnt sich!

Die geringe Größe der Veranstaltung, der nahegelegene See, aber auch die Tatsache, dass sich das Festival auf intime Bühnen, quer verstreut durch das Örtchen Storkow, beschränkt, tragen zur besonderen Atmosphäre des Alínæ Lumr bei. Übrigens: Für Hungrige ist dank Supermärkten und Streetfood auch gesorgt – nur falls die Besucher aufgrund Grebes zu Anfang zitierten Songs jetzt Bedenken äußern. Ein Sterni für das Stündchen Zugfahrt aus Berlin kann aber nicht schaden.

Line-up: The Notwist, Deerhoof, Timber Timbre, Girls in Airports, Dear Reader, Lowly, White Wine, Arms And Sleepers, Ten Fé, Oum Shatt, Klez.e, Martin Kohlstedt, Le Millipede, AG Form, Hannah Epperson, FS Blumm, Coals, Sea Moya, Children, Halo Maud, Quentin Sirjacq, Great Atlantic, Lor

Tickets: Festivaltickets für 54€ über www.alinaelumr.de

Termin: 25.-27. August in Storkow

Silvia Silko

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