Rezension

Zu

Cortar Todo


Highlights: Cortar Todo // Sky Burial // Pantokrator
Genre: Mathrock // Noiserock // Jazz
Sounds Like: Oxbow // Fantomas // 31 Knots // Liars

VÖ: 24.03.2015

Nachdem das italienische Trio Zu zwischen 1999 und 2009 jedes Jahr mindestens ein Album veröffentlichte, ließen sie sich für „Cortar Todo“ einige Zeit. 2014 erschienen mit einer EP und einer Kooperation mit Eugene Robinson von Oxbow erste Lebenszeichen, nun, sechs Jahre nach „Carboniferous“, erscheint wieder ein neues Studioalbum der ungewöhnlichen Band. Gesang gibt es keinen und dass neben Bass und Schlagzeug ein Saxophon gleichberechtigt Instrument Nummer drei ist, macht sie außergewöhnlich. Dass auch der generelle Sound der Band ungewöhnlich ist, zeigt „The Unseen War“ zum Einstieg deutlich. Ein tiefes Grollen des Basses und dazu der verquere, schräge Sound des Saxophons, ebenfalls sehr tief gestimmt.

Schnell und dem Mathrock zugeneigt ist „Rudra Dances Over Burning Rome“, das durch abgehackte Saxophonklänge und schräges Schlagzeugspiel besticht. Zwischenzeitlich klingt es, als habe man in ein Nest wilder Bienen gestochen und bekommt nun die passende Antwort. Den Stil der beiden ersten Stücke setzen sie unvermindert fort – abgehacktes, rhythmisches Spiel, das jedoch keinen Sinn für Melodiebögen und dergleichen hat, sondern lospoltert. Abwechslung gibt es dennoch: in „Sky Burial“ etwa hält sich Saxophonist Luca Mai anfangs zurück, sodass es erst nach dem Bassdrone von Sunno))) klingt, ehe man sich des Noiserock bedient und apokalyptisches Quietschen das Ende einläutet. Definitiv nichts für schwache Ohren, aber wer die zig Nebenprojekte von Mike Patton (auf seinem Label erscheinen Zu und haben auch beim Letztwerk mit ihm kooperiert) oder schrägen Jazz mag, wird hier glücklich.

Ungewohnt ist „Serpens Cauda“, ein Ausflug in den Ambient, das aber auch lediglich dem mächtigen „No Pasa Madra“ als Intro dient. Anders ist auch das dystopische „Pantokrator“, bei dem zum nervösen Horrorsound eine Stimme ein Lied anstimmt, ehe alles in einer Feedbackorgie untergeht und „Cortar Todo“ in nervenzerreißenden Tönen enden lässt. Ansonsten gibt es beschriebene Kost, rhythmisches, aber bollerndes Zusammenspiel der drei tiefklingenden Instrumente. Handwerklich auf sehr hohem Niveau, aber schwer zu genießen.

Klaus Porst

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Stream zu "Rudra Dances Over Burning Rome"

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