Rezension
Youth Lagoon
Wondrous Bughouse
Highlights: Mute // Pelican Man // Dropla
Genre: Dream Pop // Indie // Psychedelia
Sounds Like: The Flaming Lips // Animal Collective // Tame Impala
VÖ: 15.03.2013
"Höher, schneller, weiter!" ist das inoffizielle Motto in der heutigen, vom stetigen Drang nach Fortschritt geprägten Welt und trotzdem – oder vielleicht auch gerade deswegen – sind es in der Musik oftmals die ausgesprochen simpel und unaufwendig produzierten Lo-Fi-Alben, die einen letztlich am meisten berühren. So haben im eigenen Schlafzimmer aufgenommene Platten seit jeher ihren ganz eigenen Reiz, weil sie ihre Hörer unmittelbarer am Entstehungsprozess der Songs teilhaben lassen und auf diese Art indirekt auch ein wenig das Gefühl vermitteln, den Künstler näher zu kennen und seine Musik besser verstehen und nachfühlen zu können.
Trevor Powers alias Youth Lagoon hatte mit seinem beeindruckenden Debüt "The Year of Hibernation" vor ein paar Jahren ein eben solches, minimalistisch gehaltenes und angenehm entschleunigtes Bedroom Recording vorgelegt, das mit seinem unaufgeregten Lo-Fi-Charme bezauberte und durch seine offen entblößte Verwundbarkeit auch sehr zu Herzen ging. Mit dem Schritt vom eigenen Heim- ins professionelle Aufnahmestudio und dem Engagement von Ben H. Allen (Animal Collective, Deerhunter) als Produzent für sein zweites Album "Wondrous Bughouse" ging ein wenig dieser so einnehmenden Intimität und Emotionalität verloren. Gleichzeitig klingen die neuen Songs aber auch sehr viel ausgefeilter, forscher und vor allem komplexer.
Dabei erinnert "Wondrous Bughouse" in der Tat ein wenig an eine wundersame Klapsmühle voller verrückter, zunächst unnahbar wirkender Charaktere, unter deren schwer zu knackender Schale ein weicher und äußerst liebenswerter Kern steckt. Denn mit der eingängigen, schüchternen Verträumtheit des Vorgängers haben Songs wie der karnevaleske Walzer-Schunkler „Attic Doctor“ oder das pianolastige „Pelican Man“ eigentlich nur noch Powers‘ entrückten Gesang gemeinsam. Ansonsten verlangen einem die dichten, verschachtelten Synthie-Arrangements vielmehr ab, tiefer zu graben, wenn man unter all den elaborierten Soundschichten die gewohnt unwiderstehlichen Melodien aufspüren will. Die Geduld und Ausdauer, die man in dieses hypnotisch-psychedelisch vor sich hin gluckernde Album steckt, wird letztendlich aber auch belohnt: mit flauschigen Dreampop-Ohrwürmern wie „Dropla“, die einem den langersehnten Frühling noch zusätzlich versüßen.
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