Rezension

Yellowknife

Wooden Future


Highlights: Coming Of Age // Automatic // Reminders
Genre: Indie-Rock
Sounds Like: Death Cab for Cutie // Ryan Adams // The National

VÖ: 02.10.2015

Tobi Mösch war mit Anfang Dreißig angekommen. Angekommen in einem Leben mit festem Job, dem immer gleichen Tagesablauf und der Erkenntnis, weit weg von dem zu sein, wo er sich eigentlich gerne gesehen hätte. Klingt nach einem Lebenslauf, der nicht wenigen Menschen bekannt sein dürfte, die sich, die Trainingsjacke gegen Schlips und Kragen getauscht, dem „Ernst des Lebens“ fügen und versuchen, das Beste daraus zu machen.

Mösch, langjähriger Gitarrist und Sänger der Posthardcoreband Ashes Of Pompeii, war nicht einverstanden und begann in seinem Schlafzimmer an Songskizzen zu arbeiten, um seinen Erinnerungen, Haltungen und Momenten musikalischen Ausdruck zu verleihen. Drei Jahre später steht mit „Wooden Future“ ein Debüt in den Startlöchern, auf dem die Skizzen zu ausformulierten Songs gewachsen sind, die, bis auf einige Gastbeiträge, komplett von ihm geschrieben und arrangiert wurden und mit Hilfe von Lukas Wiesemüller im Studio7 ihren Weg auf Band gefunden haben.

In klassischer Indie-Rock-Instrumentierung untermauern die Stücke seine Geschichten über Unzufriedenheit, besondere Begegnungen und der Erkenntnis, dass das Leben gelegentlich seinen eigenen Weg einschlägt, wenn man nicht rechtzeitig gegenlenkt.

Yellowknife ist mit „Wooden Future“ ein beachtenswertes Debüt gelungen, welches gehört werden will und ihn weg vom Schreibtisch, zurück auf die Bühne zerren wird. Einzig die nicht übermäßig gute Gesangsdarbietung Möschs und die zeitweise zu seichten Texte bilden die Wermutstropfen seines Erstlings. Es bleibt zu hoffen, dass der Alltag noch einige Zeit die Finger von Yellowknife lässt und noch weitere Veröffentlichungen zulässt. Es würde den Alltag der Hörer in jedem Fall bereichern.

Sönke Holsten

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