Rezension

Wovenhand

Refractory Obdurate


Highlights: Corsicana Clip // Masonic Youth // The Refractory
Genre: Rock // Folk // Country // Punk
Sounds Like: 16 Horsepower // Madrugada // Sivert Höyem // Nick Cave // Murder By Death // The Tea Party

VÖ: 25.04.2014

Es ist ohnehin schon schwer, Wovenhand zu greifen, nun, mit dem siebten Album „Refractory Obdurate“, treibt es die Band um Mastermind David Eugene Edwards endgültig auf die Spitze. Es ist wohl ihr bislang kompromisslosestes und bestes Album, aber auch einmal mehr muss man fragen: Wie viel Wert legt man auf Texte? Edwards ist, vorsichtig formuliert, spirituell, nicht so vorsichtig gesagt: urchristlich. Das Leben Jesu bestimmt sein Leben, schon von Kindesbeinen an zog er mit seinem Großvater durch die USA, um die Rückkehr zum „richtigen“ Weg zu predigen. Ein Wanderprediger ist er nach wie vor, versehen mit einer unglaublich eindrücklichen Stimme und einer Band, deren Sound von jeglichen christlichen Klischees entfernt scheint.

Lässt man die Texte erst einmal außen vor, verwundert „Refractory Obdurate“ durch seine Härte. Wo früher lediglich Gitarren aufflackerten und nach dem Aus der Vorgängerband 16 Horsepower die ersten Wovenhand-Alben nahezu komplett aus Balladen bestanden, dominiert nun das epische. Die Elemente des Punk, Metal, Doom passen auf den ersten Blick so gar nicht zum Akustikgeklampfe früherer Tage – doch dann entdeckt man zwischen all den Soundschichten eben jene Klampfe und merkt, warum der Sound von Wovenhand so einzigartig ist. Das Quartett mischt Country, Folk und eben obige härteren Stile zu einer Melange, die ebenso individuell wie alleinstehend ist.

Dem setzt eben der Gesang von Edwards die Krone auf und hat den Vorteil, dass er als weiteres Instrument allein aufgrund seiner Stimmfärbung funktioniert. Mal wütend, mal traurig, mal eben predigend, er spielt in einer Liga, in der es außer ihm nur wenige gibt. Seine Aussprache erschließt sich nicht sofort, sondern ist leicht genuschelt, wodurch die Texte nur beim ganz genauen Hinhören verständlich sind. Schaut man ins Booklet, erkennt man die Dinge, die Edwards‘ Leben bestimmen: „King David“, „Field Of Hedon“, „Hiss“, „Salome“: Titel, Motive und Geschichten, die seit Jahrtausenden in den Testamenten niedergeschrieben sind. Der ewige Kampf zwischen Gut und Böse, die Suche nach der Erleuchtung, das Hoffen auf Erlösung. Es fällt schwer, diese Dinge auszublenden oder zu bewerten, wenn man damit im Normalfall nichts zu tun hat.

Wie man Wovenhand allgemein oder „Refractory Obdurate“ daher bewerten soll, ist unglaublich schwer. Der Sound des Albums ist so umwerfend, dass dieses Jahr nur wenige Alben herankommen werden. Man kann die Texte von David Eugene Edwards auch als seine persönliche Sache oder Kunst und nicht als Aufforderung zum Glauben ansehen. Sicherlich kann man andererseits, wenn man möchte, auch diverse Ecken entdecken, an denen man sich als Nicht-Gläubiger stoßen kann. Reinhören sollte man auf jeden Fall, um dann für sich zu entscheiden, ob es einem taugt oder nicht.

Klaus Porst

Hören


"Good Shepherd" im Stream

Finden


Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.