Rezension

Wire

Mind Hive


Highlights: Cactused // Off The Beach // Hung
Genre: Post-Punk // New Wave // Alternative
Sounds Like: Sonic Youth // The Feelies // My Bloody Valentine

VÖ: 24.01.2020

Man muss sich das mal vorstellen: Nach der Wire-Bandgründung 1976 erschien im darauffolgenden Jahr gleich eines der besten Debütalben aller Zeiten („Pink Flag“) und das nächste Meisterwerk wurde 1978 mit „Chairs Missing“ sofort nachgelegt. Die britische Band schlug zumindest bei den Kritikern ein wie eine Bombe. My Bloody Valentine, Black Flag oder auch Blur hätten wohl etwas anders geklungen ohne Wire.

Nun über 40 Jahre später existieren die Engländer immer noch und tummeln sich weiterhin in den Gefilden Post-Punk und New Wave. Die Zeiten des jugendlichen Sturm und Drangs und der Unter-Einminüter ist allerdings vorbei, denn auf ihrem neuen Werk „Mind Hive“ sind eher Songs enthalten, die den Fuß vom Gaspedal nehmen und sogar mal die 7-Minute-Grenze sprengen. Stilistisch ist das alles hier sehr abwechslungsreich, allerdings ertappt man sich ab und an dabei Vergleiche zu anderen Bands zu ziehen. Die Vorab-Single und eines der Highlights „Cactused“ orientiert sich beispielsweise mit der verschlafenen Gitarrenmelodie und dem Sprechgesang in den Versen stark an Sonic Youth, wobei hier nur die charakteristischen Noise-Ausbrüche fehlen. Bei dem eingängig geschrammelten „Off The Beach“ denkt man sofort an The Feelies, die witzigerweise auch 1976 gegründet wurden. Vielleicht ja sogar ein beabsichtigter Fingerzeig.

In der Mitte des Albums wird es sehr ruhig und wirkliche Highlights sucht man hier vergebens. Erst „Oklahoma“ lässt wieder aufhorchen mit seinen bedrohlichen Klängen und der verfremdeten Stimme. Einen tollen Industrial-Song gibt es kurz vor Schluss mit „Hung“. Wabernde Beats, dumpfes Schlagzeug, eine in Moll gehaltene Melodie und Textpassagen wie „In the moment of doubt // The damage was done“ sorgen für eine bedrückende Stimmung, an der die Nine Inch Nails ihre pure Freude gehabt hätten.

„Mind Hive“ ist ein gutes und solides Album, lässt jedoch die ganzen großen Hits wie „Mannequin“, „ExLion Tamer“ oder „Three Girl Rhumba“ vermissen. Trotzdem sind Wire eine der wenigen Bands, die auch noch im fortgeschrittenen Alter relevant bleiben.

Marcus Schmanteck

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Video zu "Cactused"

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