Rezension

Will Stratton

Post-Empire


Highlights: When You Let Your Hair Down Your Shoulder // Colt New Marine // Post-Empire
Genre: Freak-Folk // Psychedelic // Singer-Songwriter // Blues
Sounds Like: Bert Jansch // John Fahey // Bill Callahan // Will Oldham // Luke Roberts // Ennio Morricone

VÖ: 01.06.2012

Will Stratton hat den Bogen einfach raus. Mit 25 Jahren haut der Songwriter aus Brooklyn mal eben sein viertes Album raus, dessen Fundament aus Gitarre und Gesang er in zwei Tagen aufgenommen hat. Besonderes Augenmerk hat er dafür auf die weitere Instrumentierung gelegt: ein Streichsextett sollte es sein, das diesen Songs die Tiefe gibt, nach der sie verlangen. Und tatsächlich geht die Rechnung von „Post-Empire“ auf, auf dem traditioneller Folk mit Strattons klassischem Fingerstyle-Spiel im Stile von John Fahey und Bert Jansch auf schon fast avantgardistische, dem Dissonanten nicht abgeneigte Klangteppiche trifft.

Man muss sich eigentlich nur das sphärische Intro zu „You Divers“ anhören, um zu verstehen, worauf Stratton hinaus will. Das hier hat mit glattgebügeltem Chamber Pop nichts zu tun, sondern klingt eher nach einem staubigen, epischen Western-Soundtrack. So viel Überlegung auch hinter diesen Songs stecken mag, sie wirken nie artifiziell, sondern haben immer etwas sehr Direktes, manchmal gar Ungestümes an sich. Durch den begleitenden Gesang von Amelia Meath und Maia Friedman bekommen zwar viele Songs eine etwas lieblichere und melodiösere Note, die jedoch an diesem spannenden Schwebezustand, in denen sich die Songs befinden, nichts ändert. Fast klingt es so, als ob Will Stratton seine Geschichten, nachdem er sie selbst erlebt hat, hastig zu Papier bringt, um weiter zu ziehen und sich direkt in das nächste Abenteuer zu stürzen.

Es ist wirklich bemerkenswert, was Stratton bei all den auf der Hand liegenden Vergleichen für eine eigene musikalische Signatur entwickelt hat – und das in seinem jungen Alter. „Post-Empire“ ist eines dieser Alben, die sich zwar analysieren lassen, sich aber letztlich einer endgültigen Einordnung entziehen, da sie einfach für sich selbst stehen. Allenfalls ein Luke Roberts mag ihm momentan noch den Rang ablaufen, weil er einfach die besseren Songs im Gepäck hat. Doch es ist erfreulich zu sehen, dass sich eine ganze Reihe junger Singer-Songwriter nicht darauf beschränken will, ein paar Herzschmerz-Balladen unters Volk zu bringen, sondern sich in dem eng begrenzten Gebiet des Singer-Songwritertums ihre eigene Nische sucht und etwas Eigenständiges schafft. Und Stratton gelingt genau das mit „Post-Empire“ mal eben so im Vorbeigehen. Was für ein Teufelskerl.

Kilian Braungart

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