Rezension

Waterdown

Into The Flames


Highlights: Get What You Give // Saving Private Honesty // Dragged Through The Dirt
Genre: Post-Core // Alternative-Rock
Sounds Like: Boysetsfire // Fire In The Attic // From Autumn To Ashes

VÖ: 23.03.2012

Wer stirbt, ist heilig. Zunächst zumindest. Das Stichwort ist Anstand, direkt nach dem Begräbnis verbal an der Leiche rumfleddern gehört sich eben nicht. Beißt nun aber eine Band karrieretechnisch ins Gras, ändert das nix. Ist der letzte Output Schund, gehört das so auch publik gemacht. Wie sieht’s nun also bei Waterdown aus? „Into The Flames“ sind die Osnabrücker nun also gegangen, ihre Abschiedstour ist schon durch.

Das Gute zuerst: Verkackt haben Waterdown ihr Abschiedsalbum schon mal nicht. Den fünf gelingt’s, ihre zwölf Jahre als Band in 34 Minuten zu stopfen. Ja, ihr viertes und letztes Werk läuft mit acht Songs leider nur unter „Mini-Album“. Das schmeckt schon etwas bitter. Das Aroma im Mund wandelt sich aber schnell zu dem von Blut, wenn die Band im Opener „Get What You Give“ gnadenfrei drauf los drischt. Die bellen nicht nur, die beißen auch! Eine Hasskappe, die sich exzellent auf „All Riot“ gemacht hätte – das Album, mit dem Waterdown es hinbekamen, fiesen und metallischen Hardcore hinzuzimmern, ohne aber auf der Metalcore-Welle mitzupaddeln.

Apropos Gewässer: Die Quoten-Ballade „Anchor Lost“ erschließt zwar neues Terrain, tut aber wirklich nicht Not. Dann lieber „Saving Private Honesty“ – stürmischer Post-Core mit zündendem Refrain, der die Konkurrenz hinterherhecheln lässt. „Dragged Through The Dirt“ lässt als Herz dieser Platte dann die Bombe platzen: Ein stark gesungener Düster-Rocker, dezent mit Streichern aufgemöbelt, der im Refrain ordentlich Licht tankt, nach dreieinhalb Minuten den Chorgesang auspackt und in breitbeinigem Hardrock-Solo aufgeht. Stark!

Man sieht: Waterdown konnten noch. Wenn auch nur kurz. „Into The Flames“ ist sicher nicht ihr größter Wurf, bringt’s aber schon auf eine amtliche Distanz – obwohl die Platte mit den letzten beiden Songs etwas sehr seicht endet. Sei’s drum: Die Waage aus Karriere-Rückblick und Experimentierfreude kippt zu keiner Seite über. Jetzt, wo der Deckel auf dem Sarg ist, macht das eine Sache klar: Diese Band wird der deutschen Szene fehlen. Hut ab für zwölf starke Jahre.

Gordon Barnard

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