Rezension

Volto!

Incitare


Highlights: Drumbeaux
Genre: Jazz // Progressive // Fusion
Sounds Like: Tool // Van Der Graaf Generator // Magma // Slow Music

VÖ: 26.07.2013

Oftmals ist es ja so: Wenn man lange auf etwas wartet, reicht einem jedes noch so halbgare Gerücht, jeder Schnipsel oder seidene Faden; Hauptsache, es tut sich mal was. In der Musikwelt gibt es solche Sachen zuhauf, teils mehr als Running-Gag (siehe Guns’N’Roses) oder fast hoffnungsloses Unterfangen (siehe „Smile“ von den Beach Boys). Immer mal wieder Kandidaten dafür, das wartende Publikum bis zum geht-nicht-mehr auszureizen, sind Tool. Circa alle zwei bis drei Jahre hört man mal wieder etwas von „im Studio“, abwechselnd mit „doch im Weinberg“, zwischendurch scheinen sich die Mitglieder die Zeit mit allerdings mäßigen Nebenprojekten zu vertreiben. Sänger Keenan hat Puscifer, nun liegt ein Album mit dem Titel „Incitare“ der Band Volto! vor, in welcher Drummer Danny Carey bereits in unregelmäßigen Abständen Jamsessions veranstaltete.

Kurz und knapp kann man „Incitare“ auch so umreißen: die 55 Minuten sind ein einziger instrumentaler Ritt durch Jazz- und Fusion-getränkten Rock. Dabei nimmt sich das Trio vom Progressiverock über Krautrock der ganz frühen Sorte bis hin zu modern gespielten Stilen alles vor. Natürlich dürfen Tool dabei als Referenzgeber nicht fehlen. Gerade „Drumbeaux“ erinnert schon sehr stark an den Sound der Kalifornier, beantwortet aber auch gleich die Frage, wo Tool ohne Keenan wären. Sicherlich nicht so groß. Was Tool einst mit „Merkaba“ ausprobierten, führen Volto! in „Meltdown“ zu Ende – ein übergroßes Drumsolo mit einigen Effekten, damit den anderen in der Zwischenzeit nicht langweilig wird.

„Incitare“ mag als Livesession interessant sein, wenn man sieht, wie viele Stile die Herren beherrschen und ineinander verweben können. Aus der Konserve jedoch klingt der Sound zu eingepresst, zu sehr danach, möglichst viel ausprobieren zu wollen und verliert sich dabei im Spiel vor lauter Komplexität und endloser Soli. Kaum vorzustellen, dass hierfür ein Publikum begeistert werden kann, das sich diese Sessions zu Hause zu Gemüte führt.

Klaus Porst

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