Rezension

Vilde

Thud


Highlights: Warm Milk // Salted // Thud
Genre: Indie // Electro-Pop
Sounds Like: Helmut // Radiohead // Kins // Alt-J

VÖ: 13.07.2018

Thomas Savage ist wirklich ein selbstkritischer Zeitgenosse. Hat er doch mit „Study/Dance“ letztes Jahr unter dem Namen Vilde eigentlich ein wunderbares Solo-Debüt voller mitreißender elektronischer Indie-Tracks veröffentlicht, klagt er selbst über sein fehlendes Arbeitsethos als Musiker. Vilde war einmal Kopf der britischen Band Kins, die 2012 ein viel zu wenig beachtetes Album veröffentlicht hat. Seitdem habe er sich nicht mehr aufraffen können, sich richtig in ein Projekt reinzuknien – und sein neues Album „Thud“ soll nun eine Art Ausweg aus der Schaffenskrise gewesen sein, ein Ergebnis disziplinierter Arbeit. Aber ist das zweite Soloalbum nun auch tatsächlich besser als der Vorgänger?

Im Wesentlichen bleibt Thomas Savage seinem Stil treu: wabernde Synthies, pochende Beats, mit haufenweise Breaks und Variationen gespickte Songs, die man etliche Male hören muss, um alle Feinheiten zu erfassen – und nicht zuletzt natürlich der mal weiche, mal schneidende Falsett-Gesang von Savage. Auch hier verliebt man sich schnell schon in die vielen verschiedenen Klänge, die eine faszinierend dichte Atmosphäre erzeugen. Insgesamt fällt an „Thud“ auf, dass es deutlich düsterer klingt als sein Vorgänger und trotz der treibenden Beats zuweilen eine schleppende Schwere in sich trägt. „Salted“ und der Titeltrack „Thud“ sind mit ihren schon fast schwerfällig stapfenden Bassläufen gute Beispiele hierfür. Und dann ist da zuletzt noch „Meadows“, das sich in seinen 13 Minuten völlig in seiner lethargischen Stimmung verliert.

Ist aber „Thud“ nun das bessere Album geworden? Es klingt vielleicht ein bisschen wie das tiefschwarze Gegenstück zu „Study/Dance“, bedrückend und doch irgendwie mitreißend, weil auch hier wieder Thomas Savage mit seiner Detailversessenheit die Aufmerksamkeit auf sich zieht und über Albumlänge halten kann. Aber welches Album man nun anhören möchte, ist letztlich eine Frage der Stimmung, denn in Sachen Songwriting sind sowohl „Study/Dance“ als auch „Thud“ immer für spannende Variationen und neue Ideen gut. Wenn sich der weitere Output von Vilde auf diesem hohen Niveau bewegen sollte, darf er sich gerne seine disziplinierte Arbeitsweise bewahren, denn „Thud“ durchzuhören ist eine wahre Freude.

Kilian Braungart

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