Rezension

VHS OR BETA

Bring On The Comets


Highlights: Burn It All Down // Fall Down Lightly
Genre: New Wave
Sounds Like: The Killers // Moving Units // Radio 4

VÖ: 01.02.2008

Es gibt zwei klassische Diskogänger-Typen. Auf der einen Seite den Tänzer und Aufreißer, der auf dem Dancefloor möglichst auffällig seine Moves präsentiert und damit Anerkennung und Begierde des anderen Geschlechts einheimst. Er ist beliebt und bei vielen bekannt. Und dann gibt es noch den Mit-dem-Bier-in-der-Ecke-Steher. Bis auf seine Freunde nimmt in der Regel keiner Notiz von ihm. Vielleicht ist er sogar sehr gut aussehend und super sympathisch, doch letztendlich würde es niemandem auffallen, wenn er plötzlich nicht mehr da wäre. Kurz gesagt: Er fristet eher ein Schattendasein im nächtlichen Trubel.

Wenn Typ I Bloc Party oder The Killers sind, so handelt es sich bei VHS Or Beta eindeutig um sein Gegenstück. Obwohl die Band gleichzeitig mit den großen Namen ihr wirklich großartiges Debütalbum „Night On Fire“ veröffentlicht hatte, ließ die Aufmerksamkeit doch sehr stark zu wünschen übrig. Woran das lag, ist im Nachhinein schwer zu sagen. Die schiere Masse an neuen Bands ließ es nun mal einfach nicht zu, dass jede Band die Beachtung bekam, die sie vielleicht verdient gehabt hätte. Dies soll sich nun ändern. Mit „Bring On The Comets“ soll jetzt der große Durchbruch folgen. Dafür haben VHS Or Beta auch einiges in die Waagschale geworfen. Mit Brandon Mason (David Bowie, Secret Machines) wurde ein namhafter Produzent an Land gezogen und große Teile von My Morning Jacket wirkten als Gastmusiker mit.

Herausgekommen ist ein lupenreines Popalbum, bei welchem man die Ecken und Kanten des Vorgängers vergeblich sucht. Es ist tatsächlich unschwer zu erkennen, dass hier mit großem Kalkül auf ein größeres Publikum abgezielt wird. Und gerade diese Tatsache hinterlässt auf der ganzen Albumlänge einen äußerst bitteren Beigeschmack. Das fängt schon bei dem einminütigen Instrumental „Euglama“ zu Beginn an. Das nachfolgende „Love In My Pocket“ passt im Anschluss nicht die Bohne an die Eröffnung. Hauptsache halt ein Intro draufgepackt. Auch „She Says“ wirkt mit seinem dümmlichen DüDüDü-Refrain wie ein Kindergeburtstag am Indieballermann. Die erste Single „Can´t Believe A Single Word“ ist jedoch der eigentliche Tiefpunkt. Glattgebügelter geht kaum. Da rutschen selbst Hard-Fi noch drauf aus.

Gott sei Dank wird es im weiteren Verlauf der Platte dann doch noch besser. „Burn It All Down“ ist ein Tanzbrett par exellence. Zumindest hier wagen sich VHS Or Beta dann doch noch aus der Ecke auf das Parkett hervor. „Fall Down Lightly“ besticht mit einem wunderschönen Refrain und „We Could Be One“ liefert astreinen 80´s Synthiepop. Alles in allem muss die Band hiermit aber dennoch wieder zuschauen, wie andere die Lorbeeren einheimsen. Das ist selbst für den einfachst gestrickten Hörer zu sehr Anbiederung.

Benjamin Köhler

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