Rezension

Ulrich Troyer

Songs For William


Highlights: Driving To Cologne // Lost In Addis // Shoegaze Muff
Genre: Dub
Sounds Like: King Tubby // Aphex Twin // Brian Eno // Rhythm And Sound

VÖ: 02.09.2011

Die Stadt Wien als Heimat diverser Sofa-orientierter Electronic-Künstler zeigt mit Ulrich Troyers „Songs For William“ einmal mehr ihre psychedelisch experimentelle elektronische Seite. Dabei darf durchaus gefragt werden, ob Troyer es mit seiner Ode an ein Gitarreneffektpedal – das zudem Hauptcharakter eines begleitenden Comics sein wird – nicht ein wenig übertreibt.

„Songs For William“ durchströmt der Geist des Dub, was Ziel Troyers für die Platte war. Allerdings ist die Platte am Interessantesten, wenn der Dub im Endprodukt nur als einer unter gleichen auftaucht, und nicht wenn Troyer das Genre und die eigenen Vorgänger einfach nur erkundet, wie es in großen Teilen der ersten Albumhälfte und vor allem in „Eurocity To Munich“ der Fall ist. So prägt eine experimentell, ambiente Atmosphäre zwischen Brian Eno und Aphex Twin die Albumeröffnung „Shiraz Airport“ und der tatsächlich vorhandene Dub-Reggae-Rhythmus verbleibt unscheinbar im Hintergrund. So zentral diese Rhythmik in den besten Stücken enthalten ist, so einfach lässt sie sich doch ignorieren. Sie ist ein Bestandteil der Musik, das Interesse an den Stücken entspringt aber den analogen und instrumentalen Effekten. Als Dub erscheint die Musik nahezu langweilig, als klangliches Experiment ist manches mehr als einfach nur ansprechend. Wenn Troyer in „Driving To Cologne“ den guten alten Dub fast vollständig hinter sich lässt und einen luftig hüpfenden, tanzbaren Track zaubert, entfaltet sich der volle Reiz der analogen instrumentalen Effekthascherei, welche die Qualität des Albums ausmacht. In „Lost In Addis“ und „Shoegazing Muff“ nutzt Troyer die technischen Mittel des Dub, um jeweils ein scheinbar strukturloses Klangkonstrukt zu schaffen, denen dennoch eine ungemeine Spannung innewohnt und die in ihrem träumerischen Mäandern fesseln. Wie in „Shoegazing Muff“ das Rauschen immer weiter eskaliert, kann begeistern.

So sehr die zweite Albumhälfte zu überzeugen weiß, so wenig erscheint die erste endgültig zwingend. Dennoch aber sind Ulrich Troyers „Songs For William“ eine teilweise faszinierende Erkundung der klanglichen Welten, die aus dem Dub heraus entstehen können.

Oliver Bothe

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Audioclip bei Youtube von "Lost In Addis"

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Ulrich Troyers Soundcloud-Seite
www.soundcloud.com/ulrichtroyer

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