Rezension

Turnover

Altogether


Highlights: Still In Motion // Plant Sugar // Parties
Genre: Indie-Rock // Dream-Pop // Pop
Sounds Like: Real Estate // The War On Drugs // Woods

VÖ: 01.11.2019

Turnover bleiben ihrem Rhythmus treu. Die vier Jungs aus Virginia um Frontmann Austin Getz veröffentlichen seit 2013 alle zwei Jahre einen neuen Tonträger, so dass dieses Jahr mit „Altogether“ bereits das vierte Album die Plattenläden erreicht. Muskalisch wird der Trend des Vorgängers „Good Nature“ fortgesetzt und es scheint als hätten Turnover ihren Sound, nach Jahren der Suche, gefunden.

Doch auch neue Elemente sind in das Soundspektrum der US-Amerikaner geflossen. So sind zum Beispiel gleich beim Opener („Still In Motion“) Jazzanleihen zu vernehmen, die sich aber ideal in den Lo-Fi-Sound der Band einfügen. Inspirationen aus Funk und 80er-Jahre-Disco gibt es ebenfalls zu hören und bilden mit dem bereits bewährten Indie-Rock-Klangbild ein doch stimmiges Gesamtbild. Die Punk-Energie alter Tage lassen sie allerdings etwas vermissen. Maximal der Sinn für treibende Basslines („Number On The Gate“, „Plant Sugar“) könnte aus dieser Zeit stammen. „Ceramic Sky“ hingegen wäre auch auf einem Jazz-Album gut aufgehoben, nur vielleicht nicht so träumerisch und melancholisch. In der Lage richtig herauszustechen ist eigentlich nur „Plant Sugar“, welches sehr von 80er-Jahre-Britpop beeinflusst ist. Die Melancholie zieht sich ansonsten durch das gesamte Album und bildet so gewissermaßen einen roten Faden. Diesen verlieren Turnover auch zu keiner Zeit, wenngleich die Midtemponummern etwas zu sehr zu einer synthetischen Masse verlaufen.

Gewissermaßen verlaufen haben sich auch die Wege der Bandmitglieder. Zwischen West- und Ostküste verstreut leben die Vier mittlerweile und so gestalteten sich die Aufnahmen zu „Altogether“ schwieriger als bisher. Umso wichtiger für die Band im Studio immer noch eine Einheit zu bilden – so ist der Albumtitel als autobiografisch zu verstehen. Auch textlich schlägt sich die räumliche Trennung der Virginia Boys in „Much After Feeling“ oder auch „Valley Of The Moon“ wieder. Die Zeile „Starting to feel at home in the country“ beschreibt die Akzeptanz der Band mit der neuen Lebenssituation. Inwieweit diese Turnover nach vorne bringt, bleibt abzuwarten. Solange lohnt sich aber das entspannte Lauschen von „Altogether“ tief in einem Sessel vergraben.

Christian Bensch

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