Rezension
Turbonegro
Sexual Harassment
Highlights: I Got A Knife // Mister Sister // You Give Me Worms
Genre: Eier-Rock // Punk // Glam-Rock
Sounds Like: Smoke Blow // Backyard Babies // Gluecifer // The Bones
VÖ: 03.08.2012
Gesucht: Frontmann. Wir bieten: eine Million verkaufte Platten im Rücken, etwa 26.000 Fanclubs weltweit, ein versoffenes Arbeitsumfeld und so viele Groupies pro Schicht, wie in einen Tourbus passen. Ihr Profil: asozial, größenwahnsinnig, alkoholabhängig und frei von jeglicher Scham. Außerdem Bierbauch und Affinität zu Schminke. Gesangsqualitäten: Nebensache.
Tja, 2010 brauchten Turbonegro einen neuen Mann. Hank von Helvete wollte nicht mehr. Er sagte, er fühlte sich der Aufgabe nicht mehr gewachsen – Getuschel besagt, es läge an der Religion, vielleicht sogar Scientology. Wie auch immer: Hank war weg, und mit ihm ein Kult-Symbol. Wie Turbonegro nun auf Tony Sylvester als Nachfolger kamen? Vielleicht tatsächlich über eine Stellenanzeige wie oben. Passen würde sie auf Tony Sylvester. Mit einer Ausnahme: seine Stimme hat was.
Der Gute hat schließlich auch Erfahrung, kotzte sich zuletzt bei den nicht minder bolzenden Dukes of Nothing aus. Wenn "I Got A Knife" dann in die neunte Platte der selbsternannten Death-Punks hineinbrettert, gehen die Mundwinkel direkt hoch. Typisches Turbo-Riff, schön Schmackes und ein satter, fetter Sound. Nach fünf Jahren Stille und den mäßigen zwei Vorgängern doch optimal. Auch wenn's nicht stets so stark weiter geht: Turbonegro machen auf "Sexual Harassment" viel richtig.
Mit "Hello Darkness" legen die Norweger amtlich nach, auch "TNA (The Nihilistic Army)" ist ein üppig bestückter Punk-Klopper, für die die Band seit Ankunft von Gitarrengott Euroboy nun mal steht. "Shake Your Shit Machine" geht da als Midtempo-Rocker unter. Dabei können die das doch: "Mister Sister" mit seinem starken Refrain zumindest kommt in ähnlichem Galopp viel besser auf den Punkt. Mit ihrer düstersten Gitarre seit Ewigkeiten lädt dann "Dude Without A Face" zum nächsten Ritt – der leider nicht ganz so schmissig gerät.
Dieser Trend setzt sich fort. Bis zum herrlichen Rausschmeißer "You Give Me Worms" bleibt wenig hängen. Apropos hängen: Im Bandjargon gesprochen sind Turbonegro nicht mehr untenrum schlaff. Die können sich sogar über eine ordentliche Latte freuen. Klar, dieses Mal sind nur ein paar Knüller dabei – auf's Wesentliche zusammen schrumpft "Sexual Harassment" aber nie. Wäre ja auch peinlich – eine sexuelle Belästigung so ganz ohne Erektion.
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