Rezension

Title Fight

Hyperview


Highlights: Chlorine // Rose Of Sharon // Liar's Love
Genre: Punk // Shoegaze
Sounds Like: Nothing // Touché Amore // Joyce Manor

VÖ: 06.02.2015

Eine Platte mit „Murder Your Memory“ zu beginnen, ist im Falle von Title Fights neuem Auswurf „Hyperview“ als programmatisch zu verstehen. Der Track ist quasi der Reset-Knopf, nach dem bei der ehemals im Hardcore und Punk verankerten Band erstmal alles anders ist als zuvor.

Verhallte Gitarren im Rückwärtsmodus, die Abwesenheit von Verzerrung und ein Ned Russin, der singt und nicht mehr schreit, sind die musikalische Veränderung, die die knapp drei Minuten des Openers „Murder Your Memory“ ausmachen. Er klingt daher nicht nur völlig ungewohnt, sondern suggeriert im Titel auch einen Abschluss mit der eigenen Vergangenheit. Der Übergang in den Shoegaze ist jedoch nur wegen seiner anfänglichen Überraschung eine Bauchlandung. Ansonsten steht der neue Klang den Amerikanern gut zu Gesicht. So veträumt introvertiert wie „Your Pain Is Mine Now“ hat man die Vier noch nicht erlebt. Da nicht mehr zwangsläufig auf Härte gebürstet wird, wirkt vieles auf diesem Album ungezwungen und entspannt.

„Chlorine“, das den alten Title Fight noch sehr nahe kommt, geht nicht den letzten Schritt in den Lärm. Was zunächst nach angezogener Handbremse klingt, unterstreicht eigentlich vielmehr die neue Gelassenheit, die „Hyperview“ bestimmt. Denn auch wenn Title Fight ihre musikalische Sozialisation nicht loswerden, wie etwa in dem pop-punkigen „Mrahc“, so stehen die Lieder und ihre Kompositionen diesmal mehr für sich als auf den Vorgänger-Werken. „Hypernight“ etwa wird mit seinem kullernden Bass nach ein paar Durchläufen zum heimlichen Ohrwurm und „Liar’s Love“ entpuppt sich hinten raus als Ballade, die für einen melodisch-emotionalen Höhepunkt sorgt.

„Rose Of Sharon“ schließlich beschreibt quasi als eine Art Querschnitt des Klangbilds der gegenwärtigen Title Fight den Status Quo der Band in nur einem Song. Diese besitzt auf „Hyperview“ die Umsicht, sich neu zu definieren ohne die eigene Herkunft gänzlich zu leugnen.

Jonatan Biskamp

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