Rezension

Tindersticks

The Hungry Saw


Highlights: The Flicker Of A Little Girl // The Other Side Of The World // The Turns We Took
Genre: Indiepop // Shoegaze
Sounds Like: Stuart A. Staples // The Devastations // The Walkabouts

VÖ: 25.04.2008

Da waren es nur noch drei. Nach dem Ausstieg von Mark Caulwill, Alasdair Macaulay und Dickon Hinchcliffe ist auf „The Hungry Saw“ nur noch die Hälfte der ursprünglichen Originalbesetzung zu hören. Dieser Radikalschnitt sorgte im Vorfeld der Veröffentlichung für allerhand Gesprächsstoff. Besonders ohne Hinchcliffe, die tragende Säule der Streicher –Arrangements, sei es wohl um die Band geschehen, die nach den zwei Totalausfällen „Simple Pleasure“ und „Can Our Love…“ nur mit viel Mühe durch das letzte Album „Waiting For The Moon“ die alten Fans wieder für sich gewinnen konnte. Aber vielleicht war ja gerade dieser Neuanfang nötig, um die Tindersticks wieder zu ihren alten Stärken finden zu lassen und sich trotzdem als Band neu zu erfinden.

Vom Bombast-Soul der beiden erwähnten Schandflecke der Bandhistorie haben sich die Mannen um Chefexzentriker Stuart Staples Gott sei Dank weitestgehend verabschiedet. Man ist wieder ein wenig zu den Wurzeln zurückgekehrt, auch wenn die bedrückende Traurigkeit vergangener Tage einer eher hoffnungsfrohen Stimmung gewichen ist. Obwohl die Tindersticks mit Sicherheit einige der melancholischsten Songs geschrieben haben und man als Fan gerade diese Trauerklöße immer besonders zu schätzen gewusst hat, so freut man sich beim Hören von „The Hungry Saw“ trotzdem ein Stück weit mit der Band, die auf ihre alten Tage endlich ihre Lockerheit gefunden zu haben scheint.

Bester Beleg für diese neue Frische ist das wunderbar, sommerpoppige „The Flicker Of A Little Rose“. Den Charme eines schüchternen Mädchens versprühend werden hier sogleich sämtliche Zweifel ausgeräumt, was die Streicher angeht. Auch bei dem berührenden „Feel The Sun“ und der großartigen Düsterballade „The Other Side Of The World“ entsteht der Eindruck, als ob Hinchcliffe nie in der Band gewesen wäre. Die Tindersticks haben endlich wieder ihre Stärke für außergewöhnliches Songwriting entdeckt und liefern mit dem sagenhaften Schlusspunkt „The Turns We Took“ sogar einen der besten Songs der Bandgeschichte ab.

Nichtsdestotrotz bleibt der Eindruck von „The Hungry Saw“ ein wenig zwiegespalten. Einerseits ist es schön zu hören, dass die Tindersticks wieder fast so gut sind wie früher, andererseits macht das Album einen seltsam zerrissenen Eindruck. Das erste Instrumental „E Type“ grätscht genau dann hinein, wenn sich ein gewisser Fluss entwickelt hat, und „The Organist Entertains“ macht den gleichen Fehler kurz darauf ein weiteres mal. Hinzu kommt, dass der Titelsong sich als ziemlich peinlicher Rumbaversuch entlarvt und vollkommen deplatziert wirkt. Haken wir diese paar Schwächen aber besser als Begleiterscheinungen des neuen Bandgefüges ab. Auch wenn es nach 16 Jahren etwas komisch klingt, aber wie heißt es so schön im Fußball? Das Team muss sich eben erst noch finden.

Benjamin Köhler

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