Rezension

Tiger Lou

The Wound Dresser


Highlights: California Hauling // Undertow // Rhodes
Genre: Indie // Singer-Songwriter // Pop
Sounds Like: Rasmus Kellermann // Escobar // Interpol

VÖ: 23.09.2016

Sieben Jahre sind vergangen, seit Tiger Lou 2009 das letzte Mal ihre Instrumente entluden und das beschauliche Appletree Garden Festival in Diepholz bespielten. Danach waren sie verschwunden. Man hatte sich für das Leben abseits der Musik entschieden. Bis im letzten Jahr ein erstes Lebenszeichen in Form der „California Hauling“ EP geschickt wurde.

Mit „The Wound Dresser“ veröffentlichen Tiger Lou um Mastermind Rasmus Kellermann nun ihr viertes Studioalbum. Wann immer es in die Famiienpläne passte, hat die Band im stillen Kämmerlein an neuer Musik gearbeitet und wenn man am Ende des Openers „You Town“ genau aufpasst, hört man Kellermanns Vater beim Abwasch und den Nachwuchs zwischen die letzten Pianoklänge klimpern. Die Band hat ihren Soundhorizont aber nicht nur um Haushaltsklänge erweitert, sondern auch den Synthie-Sounds einen Platz im Klang eingeräumt und den Zorn vom Vorgänger aus den Gitarren genommen. „Homecoming#2“ könnte man für Tiger-Lou-Verhältnisse fast als „fröhlich“ bezeichnen, so Dur-getränkt umspielt die Gitarre das Gefühl, nach Hause zu kommen. „California Hauling“ macht diesen Frohsinn allerdings mit schwerem Sythie-Brummen zunichte, bis ein gut groovender Beat den Refrain doch wieder anhebt. „Untitled#3“ stellt als intrumentales Klaviergeplänkel fast einen melancholischen Bruch dar. Denn auch die Songs im weiteren Verlauf, „Leap Of Love“ und „The Bones Of Our History“, laden eher zum Tanz, als zum Trübsal ein.

Peter Katis (The National, Interpol) hat die neuen Soundelemente der Schweden sehr geschmackssicher gemischt und Tiger Lou ein weiteres starkes Album beschert. Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Langspieler nicht wieder sieben Jahre auf sich warten lässt.

Sönke Holsten

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"Homecoming #2" im Stream

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