Rezension

The Weepies

Sirens


Highlights: River From The Sky // Sirens // Fancy Things
Genre: Indiefolkpop
Sounds Like: Angus & Julia Stone // The Magic Numbers

VÖ: 24.04.2015

„I don't need no trouble // but sometimes trouble needs me.“ Ende 2013 begannen Deb Talan und Steve Tannen, Lieder für ein neues Album ihrer Band The Weepies zu schrieben. Als eines der ersten wurde „No Trouble“, aus dem die zitierten Zeilen stammen, fertig. Kurz vor Weihnachten wurde bei Deb Brustkrebs festgestellt, wenige Tage darauf begann sie die Chemotherapie – eine grausame Ironie des Schicksals. Das Jahr 2014 stand ganz im Zeichen des Kampfes gegen den Krebs und irgendwie haben es The Weepies neben Chemotherapie, Operationen und Heimunterricht für die drei gemeinsamen Kinder geschafft, eine Platte mit 16 Liedern aufzunehmen. Jetzt, wo Talan den Krebs besiegt hat, erscheint mit „Sirens“ das fünfte Album der Band und wie gewohnt ist es eine Sammlung schöner, verträumter Folkpop-Lieder mit ein paar Überraschungen.

Talans Krankheit hat sich natürlich stark auf den Aufnahmeprozess ausgewirkt. Da sie zu schwach zum Reisen war, haben die geladenen Gastmusiker ihre Parts einzeln eingespielt, wo auch immer sie gerade waren. Einem Lied wie „Sirens“ hört man Talans Zerbrechlichkeit und Erschöpfung geradezu an: Die Vocals wurde in nur einem Take aufgenommen – für mehr reichte die Kraft an dem Tag einfach nicht. Wem es da nicht zumindest ein bisschen die Tränen in die Augen treibt, der hat wahrscheinlich ein Herz aus Stein und sowieso nicht viel Verständnis für emotionale Folkmusik.

Aber „Sirens“ bietet mehr als traurige Geschichten. The Weepies haben es schon immer verstanden, auf der schmalen Grenze zwischen Melancholie und Optimismus zu wandeln. Vielleicht liegt es an der schweren Zeit, die die beiden durchgemacht haben, aber das neue Album enthält tatsächlich auch einige der fröhlichsten Lieder, die die Weepies je veröffentlicht haben. „Early Morning Riser“ etwa, das mit freundlicher Bläserunterstützung auftrumpft. Auch „Fancy Things“, das mysteriös und cool, aber zugleich lässig daherkommt, zaubert zwangsläufig ein Lächeln aufs Gesicht des Hörers. Nachdem der Krebs endlich besiegt war und die Aufnahmen für die Platte eigentlich schon abgeschlossen waren, haben die Weepies dann spaßeshalber noch zwei Coverversionen aufgenommen und mit aufs Album genommen: „Volunteer“ von Mark Geary und den alten Tom-Petty-Klassiker „Learning To Fly“, das im Kontext des Albums und der Geschichte dahinter ganz neue Bedeutungsfacetten gewinnt. So ist „Sirens“ eine abwechslungsreiche Platte geworden, die die Geschichte einer schwierigen Zeit erzählt, ohne dabei die schönen Dinge des Lebens zu vergessen.

Lisa Dücker

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"Sirens"
"No Trouble"

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