Rezension

The Wave Pictures

Instant Coffee Baby


Highlights: Kiss Me // Instant Coffee Baby // Avocado Baby // Red Wine Teeth // Strange Fruit For David
Genre: Retropop
Sounds Like: Herman Dune // Jeffrey Lewis // Peter, Bjorn And John // The Cribs

VÖ: 24.10.2008

Retrowochen bei uns. Nach The Walkmen letzte Woche gibt es diesmal The Wave Pictures aus England auf die Ohren. Satte neun Jahre hat das Trio gebraucht, um mit „Instant Coffee Baby“ nun endlich endlich ihr Debütalbum zu veröffentlichen. Was sie so lange aufgehalten hat? Vielleicht die Angst vor zu großer Berühmtheit, denn vor neun Jahren wären The Wave Pictures mit diesem Album durch die Decke gegangen. Jetzt, möchte man meinen, stehen sie in einer langen Schlange von Bands, die alle darum buhlen noch ein letztes Stückchen vom Retrohypekuchen abzubekommen.

Doch The Wave Pictures haben sich einen eigenen Kuchen gebacken. So sehr es verwundern mag, aber der Sound der sympathischen Briten hebt sich wohltuend von all den anderen Bands ab, die ihre Songs hauptsächlich auf der Grundlage des typischen New Wave Beats aufbauen. Man orientiert sich in erster Linie an Elementen des klassischen Rock´n Roll und der Beatmusik der 50er Jahre und verschleppt diese in feinste Popgewänder. Heraus kommen dabei dreizehn astreine Popsongs, Rocksongs, Lovesongs, Tanzsongs, Mitsingsongs... Nennt sie wir ihr wollt, jedenfalls machen sie einen unheimlichen Spaß.

Was natürlich zuerst beim Hören auffällt, ist diese unglaublich markante, immer leicht nölige Stimme von Sänger David Tatersall, die ab und an von tollem Backgroundgesang unterstützt wird. Vor fünfzig Jahren hätte man ihn damit wahrscheinlich an die Seite von Chuck Berry oder Buddy Holly gestellt. Seine Texte handeln vorwiegend von Mädchen und die Probleme, die wir Männer mit diesen hochkomplizierten Wesen zwangsläufig haben. Die Erkenntnisse werden in Zeilen verpackt, die so charmant lustig sind wie lange nichts mehr. Kostprobe:

If I made it through Christmas without smoking
'Til your parents went to bed
If you made it through too
Without sticking your nail scissors in my neck
I'll buy you bras instead of pickled eggs

(“I Love You Like A Madman”)

Die Musik, ein immer auf Melodien bedachtes Grundgerüst aus zurückhaltenden Drums, Vintagegitarren und sensationellem Bassspiel, wird mal mit Bläsern und allerhand anderer Instrumente angereichert, mal aufs Äußerste reduziert. Auch das Tempo wird variiert, wann immer sich die Möglichkeit dazu bietet. Schön nach vorne gehende Songs wie „Strange Fruit For David“ wechseln sich immer wieder mit ruhigeren Nummern wie dem herrlichen Stehblues „Red Wine Teeth“ ab. Außerdem erleben auf „Instant Coffee Baby“, der Band sei Dank, endlich wieder die Gitarrensoli eine kleine Renaissance (man höre bitte den Titelsong). Klar, nach dieser langen Vorbereitungszeit will man seinen Hörern schließlich auch einiges bieten und das ist auf dieser rundum gelungenen Scheibe mehr als geglückt.

Benjamin Köhler

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