Rezension

The Wave Pictures

City Forgiveness


Highlights: The Woods // Atlanta // Before This Day
Genre: Southern Rock // Americana // Blues-Rock
Sounds Like: The Smiths // Lynyrd Skynyrd // Morrissey

VÖ: 18.10.2013

Staubige Hitze im Tourbus, den schalen Geschmack von Whiskey im Mund mit der ersten Selbstgedrehten des noch jungen Tages vertreiben, während im Radio Arlo Guthrie Amerika einen guten Morgen wünscht – die Entstehungsgeschichte von „City Forgiveness“, dem fünften Studioalbum von „The Wave Pictures“, nährt zwangsläufig romantische „Almost Famous“-Assoziationen. Ganz im Spirit des frühen Rock’n’Rolls entstand das Doppelalbum auf einer sechswöchigen Tournee durch die USA, nur der Tourbus, die Straße und ein paar Jungs mit Gitarren. Man hört die langen Stunden des Wartens im Bus buchstäblich, die melancholischen Nachtstunden im Diner irgendeiner Wüstentankstelle und die nicht enden wollenden, kerzengraden Open Highways.

Die assoziativen Lyrics, die oft in einen kaum nachvollziehbaren Stream of Consciousness ausarten, geben den Songs eine poetisch anmutende Tiefe, die hauptsächlich auf einer ungeordneten Notizenflut des Sängers Dave Tattersall basiert, in der er Tourimpressionen und den mentalen Zustand aus permanenter Übermüdung, Hangover und übermütiger Erregung auf Tour versucht in Worte zu fassen.

Musikalisch wird an keinem Southern-Rock-Klischee gespart, vom Laid-back-Gitarrenriff à la „Sweet Home Alabama“ in „Before This Day“ über astrein verzerrte Bluesrock-Parts wie in „The Ropes“ bis hin zu kaugummiartigen Gitarrensoli in „All My Friends“, die so zäh und endlos sind wie die amerikanischen Highways in der sengenden Mittagshitze. Stilistisch bildet „City Forgiveness“ ein breites Spektrum ab, was angesichts der etwas dünnen, wenig charakterstarken Stimme Tattersalls stellenweise zum Problem wird und mal wieder die gute alte Authentizitätsdebatte befeuert. Dürfen ein paar Jungs aus Leicestershire so uramerikanische Musik machen und sich damit in die Traditionslinie mit Stimmgewalten wie Bruce Springsteen, Neil Young oder Tom Petty einreihen? Leidenschaftliche Songs über Atlanta mit einem niedlichen british accent lassen die besungenen snow covered mountains eher wie eine Postkartenerinnerung klingen und The Wave Pictures wie britische Rocktouristen wirken, die auf der Suche nach Freiheit und Weite ihre grüne Insel verlassen.

Aber genau darum geht es bei „City Forgiveness“. Nie war dieses Album als Konzeptalbum über Amerika gedacht. Es geht um Abenteuer, neue Erfahrungen und das Reisen als Beflügelung des kreativen Prozesses, um eine Erweiterung des künstlerischen Horizonts. Ein etwas kitschiges, gleichzeitig aber auch herrlich klassisches Album, das nostalgisch verzückt an die Zeit vor den bösen Massenmedien denken lässt, als Rockstars noch das Coolste auf der Welt waren.

Laura Aha

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