Rezension

The Vintage Caravan

Voyage


Highlights: Expand Your Mind // Cocaine Sally // Midnight Meditation
Genre: Retrorock
Sounds Like: Wolfmother // The Black Keys // Scorpion Child

VÖ: 10.01.2014

Können Isländer eigentlich alles? Naja, okay – genießbare Nationalgerichte kreieren oder die Mythologie aus ihrer Straßenplanung heraushalten, können sie in der Tat nicht. Aber in musikalischer Hinsicht? Neben üblichen Verdächtigen wie Björk oder Sigur Rós hat das kleine Land, in dem es angeblich mehr Bands als Familien gibt, immerhin auch schon namhafte Vertreter des Hardcore, Indiepop oder Elektro geboren. Eine der letzten Lücken schließen nun The Vintage Caravan.

Wäre ja auch durchaus verwunderlich, wenn in solch einem rustikalen Land wie Island nicht auch einmal der Retrorock entdeckt werden würde – auch wenn man ihm vielleicht nicht so viel Blues zugetraut hätte, wie oft in „Voyage“ steckt. Der steckt nämlich nicht nur im Gesang von Òskar Logi, sondern auch die Riffs von Songs wie „M.A.R.S.W.A.T.T.“ schielen manchmal recht deutlich in Richtung Black Keys und Konsorten. Deutlichste Referenz bleiben dennoch Bands wie Wolfmother – man vergleiche „Cocaine Sally“ einmal mit dem „Apple Tree“ der Australier.

So machen The Vintage Caravan auf manchen Songs, wie eben „Cocaine Sally“, alles richtig – manch anderen der neun Tracks auf „Voyage“ fehlt jedoch noch das eine oder andere Alleinstellungsmerkmal, ohne die sie hier noch zu leicht im großen Fluss des Albums zerlaufen. Schließlich muss die Band nur noch wegen der einen oder anderen Textzeile gescholten werden: „I'm running down into the softer town, to my surprise I saw the Starship Enterprise“ lassen beinahe den jahrelangen Englischunterricht bereuen und eine Zeile, die schon mit „Do you remember when we used to....“ anfängt, wird mit der Erweiterung „...listen to Simon & Garfunkel“ nicht unbedingt poetischer – siehe die gar nicht mal so gute Ballade „Do You Remember“. Aber sei's drum – alles können Isländer dann scheinbar doch nicht. Retrorock im Allgemeinen bekommen sie aber ganz gut hin.

Jan Martens

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