Rezension

The Vaccines

Come Of Age


Highlights: No Hope // Teenage Icon // Weirdo
Genre: Britrock
Sounds Like: The Libertines // Dirty Pretty Things // Glasvegas

VÖ: 31.08.2012

Das erste Album nach dem Hype ist oft das schwierigste. Jetzt gilt es nämlich zu zeigen, ob man all die Lorbeeren verdient hat, die einem nachgeworfen wurden. Kann man den Wunderkindstatus halten oder werden die Spötter Recht behalten, die schon das erfolgreiche Album für einen Glücksgriff hielten und ihre Nasen rümpfen können ob eines Misserfolgs, der dann mit einem überlegenen “War doch eh klar, dass da nicht mehr dahintersteckt” kommentiert wird?

Vor anderthalb Jahren war das Debüt der Vaccines in aller Munde und Ohren. Ein Album voller Hits lieferten sie ab für Leute, die die “The”-Bands langsam satt hatten, indem sie sich großzügig bei einer Handvoll Bands und Genres bedienten und daraus das beste machten: Ein bisschen Krach, ein paar ruhigere Lieder, Refrains zum Mitsingen und Beats zum Abtanzen. Das gefiel zwar, aber man war sich ebenfalls recht einig darüber, dass mit “What Did You Expect From The Vaccines” das meiste Pulver bereits verschossen war.

Und jetzt kommt also der Nachfolger. Und wie ist der? Kann er das Niveau des Debüts halten? Nein. Man muss eigentlich sagen: leider nein. Denn die Platte beginnt mit zwei großartigen Britrockern mit Garageneinschlag. Dreckig legen “No Hope” und “Teenage Icon” los, ohne dabei die Indiedisco aus den Augen zu verlieren. Dabei erinnern die Engländer in ihren besten Momenten an die Libertines und deren Nachfolgebands. Dass es auch ruhiger geht, zeigt zum Beispiel das nachdenkliche “Weirdo”. Das Problem ist nur die Hitdichte. Soviele nette Stücke auch über die Platte verteilt sind, beinahe jeder bringt einen eher mittelmäßigen Song mit, der eher langweilt als zum Mitsingen anzuregen. Man hätte hier aus einem soliden Album genauso gut eine großartige EP ohne Längen zusammenschustern können.

“Come Of Age” wäre nur mit einer absoluten Meisterleistung zu retten gewesen. Denn eigentlich stand die allgemeine Meinung zur Platte schon lange vor ihrer Veröffentlichung fest: Nicht so gut wie der Vorgänger, lange nicht so viele (und natürlich nicht so gute!) Hits, die Jungs werden jetzt ganz schnell wieder in der Versenkung verschwinden. Schade drum. Denn auch auf dem Zweitling verstecken sich einige echt tolle Lieder, denen man nur eine ehrliche Chance geben müsste. Und nach dem riesigen Hype um das Debüt hätte “Come Of Age” das wirklich verdient.

Lisa Dücker

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