Rezension
The Sounds
Weekend
Highlights: Shake Shake Shake
Genre: 80er-Retro-Pop
Sounds Like: Metric // Shiny Toy Guns // Blood Red Shoes
VÖ: 08.11.2013
Wären „The Sounds“ Kaffee, dann wären sie höchstens noch lauwarm. „Weekend“, dem fünften Album der schwedischen Band um Sängerin Maja Ivarsson, fehlt es an Würze, an Pep, an Feuer. Wie in einem Tribut an sich selbst schmiegen sich elf Nummern aneinander, sichtlich bemüht. Aber bemüht um was? Bemüht um einen Mix aus Powerrock und Balladen. Bemüht, ein oder zwei Singles beizusteuern, die sich zu Ohrwürmern entwickeln und an die Erfolge aus der Frühzeit der Band anknüpfen. Die liegen mittlerweile eine Dekade zurück und nicht wenige haben den Sounds attestiert, dass ab dem dritten Album „Crossing The Rubicon“ (2009) ein Umbruch eingesetzt hat, der nicht zu ihrem Vorteil gereicht hat.
Nun ist das Image, das die Sounds zu Beginn ihrer Karriere hatten, ein durch und durch juvenil-leichtfüßiges. Verständlich, dass eine Band das nicht ewig mit sich rumtragen kann und will. Aber während die Schweden versucht haben, in der Musik Schritt zu halten und das Oberflächliche und Rotzige durch Reife und eine breitere Produktion zu ersetzen, sind sie sich auf der Bühne treu geblieben. Da wird noch immer Maja mit Zigarette, Bier und Hotpants an die Front geschickt – und die ist mittlerweile 34. So richtig geht das alles nicht zusammen. Wenn es live Schlag auf Schlag geht, dann darf es an allen Ecken und Enden knarzen und quietschen, da braucht Maja nicht jeden Ton treffen. Aber dieses Kantige geht „Weekend“ ab. Die Platte wirkt geradezu steril. Und das, obwohl Jesper Anderberg angibt, dass „die Songs so klingen [sollten,] als hätten wir die Verstärker angestellt und einfach drauf los gespielt.“ Nein, dazu ist „Weekend“ viel zu zu wenig Rock 'n Roll. Was es stattdessen ist? Schwer zu sagen.
„Shake Shake Shake“ ist noch am ehesten als Sounds-Klassiker zu hören. Dreieinhalb Minuten, verzerrte 80er Synthesizer, ein Refrain („You gotta shake shake shake“) so simpel, dass man live mitwippen, mitsingen, mitrocken will. Doch schon „Take It The Wrong Way“ driftet ab, zwar finden wir hier den typischen Background-Chor wieder, aber die Gitarren machen einen völlig unnötigen Nebenschauplatz auf, das Drumming kommt reichlich uninspiriert daher. „Hurt The Ones That I Love“ ist eine Ballade, so dünn, dass sie einzig von Majas Stimme getragen wird. Was bei „Wish You Were Here“ auf dem Vorgänger mit einer Akustikgitarre ganz gut funktioniert hat, wirkt hier angestrengt. Die Titelsingle „Weekend“ ist ähnlich gestrickt, ebenso ruhig, ebenso schwermütig. Die hedonistische Zeile „I live for the weekend, baby“, an die sich widersprüchlich verhaltene Klänge von Elektroorgel und Trompeten fügen, lässt einen stutzig werden.
Und so könnte man ewig fortfahren im Aufspüren weiterer Ungereimtheiten. „It's a great day to be alive“ als Textfragment gefangen in einem düsteren Endlosloop („Great Day“). Häh? Zugegeben, sie haben etwas versucht mit ihrem fünften Album. Große Innovationen waren nicht zu erwarten, es sind kleine Änderungen geworden. Die können aber nicht überzeugen, weil der Zahn der Zeit am Gesamtkonzept „The Sounds“ nagt. Immerhin deutet „Young And Wild“, der Closer, mit Synthy-Calypso-Klängen an, dass die Band ihre gute Laune noch nicht ganz verloren hat – oder ihren Sinn für Humor: „Put your hands up in the air / Listen, we are young and wild.“
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