Rezension

The Smashing Pumpkins

Cyr


Highlights: Anno Satana // The Colour Of Love // Wyttch
Genre: Synth-Pop // Rock
Sounds Like: La Roux // Tears For Fears // Zoot Woman

VÖ: 27.11.2020

Die Erwartungen waren verdammt hoch: Doppelalbum. Selbsternanntes Gesamtkunstwerk. Fast-Bestbesetzung. Das muss doch einfach groß werden. Die Ernüchterung erfolgte dann jedoch relativ schnell mit der Veröffentlichung der ersten Songs, wie etwa „Cyr“. Was ist das denn? Die Smashing Pumpkins sind im Synth-Pop angekommen?!

Seit „Machina“ aus dem Jahr 2000 ist ihr neues Werk das erste Album, an dem die Gründungsmitglieder Iha und Chamberlin umfassend mitgearbeitet haben. Deswegen ist es extrem überraschend, dass sich die Band nicht auf ihre Wurzeln besinnt, sondern ziemliches Neuland betritt. Synth-Pop-Momente sind eigentlich nur aus Corgans Solowerken bekannt („The Future Embrace“) und das neue Werk der US-Amerikaner fühlt sich so leider tatsächlich eher nach einem Soloprojekt an als nach einem Werk der kompletten Band. Kernfrage des Albums: Was macht hier eigentlich Iha? Zudem ist auch die Qualität der Songs fast durchgängig schwach, bis auf ein paar nennenswerte Ausnahmen wie etwa dem treibenden Opener „The Colour Of Love“, dessen Leadmelodie glatt in den 80ern im Radio hätte laufen können. Zudem gefallen noch das progressive „Wyttch“, das mit seinen Gitarrenriffs und flächigen Sounds durchaus auch von Porcupine Tree hätte stammen können und das ätherische „Anno Satana“, das einen durch die immer wiederkehrende E-Gitarrenmelodie positiv einlullt. Aber wer bitte schön braucht eine fast schon Disconummer wie „Cyr“ von den Smashing Pumpkins? Das können andere deutlich besser und die folgende Aussage Corgans rettet den Song leider auch nicht mehr: „Eine Seele gegen die Welt, vor dem Hintergrund wechselnder Loyalitäten und schnellerer Zeit. Für mich ist es sowohl hoffnungsvoll als auch abweisend gegenüber dem, was mit Glauben möglich ist und was nicht.“ Puh, okay.

Der Versuch, ein Gesamtkunstwerk zu erschaffen, unterstreicht die zugehörige Zeichentrickserie im 80s-Gewand, bei der die Albumtracks die Grundlage liefern. Leider wirkt die Umsetzung in den ersten zwei Folgen sehr fad und erst die dritte weiß in Kombination mit dem Song „Anno Satana“ zu gefallen. Hier fügen sich die musikalischen und visuellen Aspekte zu einem netten Gesamtbild zusammen. Aber sind wir ehrlich: Gebraucht hätte das auch keiner. Nächstes mal gerne ohne Serie und bitte keine Songs mehr wie „Tyger, Tyger“, die im Mainstreamradio laufen könnten. Aktuell lieber bei der Band Nothing reinhören, die in manchen Momenten an die tollen Anfangsjahre der Smashing Pumpkins erinnert.

Marcus Schmanteck

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