Rezension

The Ruby Suns

Fight Softly


Highlights: Mingus And Pike // Cinco // Cranberry // Haunted House
Genre: Experimental // Freak-Folk // Pop
Sounds Like: Animal Collective // Panda Bear // Vampire Weekend // Discovery // Yeasayer // The Very Best // Le Loup // Grizzly Bear

VÖ: 26.03.2010

Man mag es kaum glauben, dass The Ruby Suns aus Neuseeland stammen. Nichts gegen den wunderschönen Inselstaat, aber für ihre Musikszene sind die Neuseeländer nicht gerade berühmt. Umso überraschender ist es, dass die Band um Ryan McPhun mit ihrem dritten Album „Fight Softly“ mal locker eines der coolsten Alben der Saison auf den Markt wirft.

Wie eine Mischung aus Animal Collective, Vampire Weekend und allem, was die Musikwelt sonst so in letzter Zeit begeisterte, klingt dieses Album, das nicht treffender betitelt sein könnte. The Ruby Suns vereinen hier die gegensätzlichsten Musikstile zu einer Musik, die sich zunächst kindlich-verspielt und harmlos anhört, aber stets eine gewisse Spannung in sich trägt. Die Beats und Effekte sind fast so verrückt wie bei Discovery, bleiben aber in einem Rahmen, in dem man sie noch ernst nehmen kann. Auch der glockenklare Gesang erinnert an Wesley Miles oder Ezra Koenig, im Chorgesang muss man sogar an Grizzly Bear denken.

Die musikalischen Referenzen sind zum Greifen nah, und doch liefern The Ruby Suns ihre ganz eigene Art von Weltmusik ab. In „Cinco“ verfremdet McPhun den zugrundeliegenden afrikanischen Beat auf eine Weise, dass er seiner Musik komplett einverleibt wird. Eine ähnlich hypnotisierende Wirkung entfaltet „Cranberry“ mit einem repetitiven Bläserschnipsel, das munter durch verschiedene Tonarten geschickt wird, nach einem Break schon fast in Vergessenheit gerät, um zum Ende hin wieder geschickt eingewoben zu werden. McPhun versteht sein Handwerk wirklich ausgezeichnet. Wohlüberlegt entwickelt er die Songs, spannt große Spannungsbögen, ohne dass es berechnend klingen würde. Vielmehr fließt das Album an einem Stück durch, die einzelnen Songs gehen reibungslos ineinander über und verbinden sich zu einem großen Ganzen. „Fight Softly“ ist eine musikalische Reise, auf der es viel zu entdecken gibt. „Haunted House“ klingt zunächst beängstigend stark nach 90er-Pop, schlägt dann aber so viele Haken, dass man gar nicht dazu kommt, groß darüber nachzudenken. „How Kids Fail“ überfährt einen regelrecht mit seiner Synthie-Attacke, die nach einer Minute unvermittelt einsetzt.

Bei jedem Durchgang von „Fight Softly“ gibt es Neues zu entdecken. Das Album ist so vollgepackt mit Ideen, dass man zu Beginn fast ein wenig erschlagen ist von seiner Fülle und Reichhaltigkeit. War der Vorgänger „Sea Lion“ noch etwas ruhiger gehalten, so ist das neue Werk der Neuseeländer vor allem durch den zunehmenden Elektro-Einfluss noch schwerer zu fassen, da sich auf diese Weise ganz neue Möglichkeiten für die Band eröffnen. Rastlos ziehen The Ruby Suns den Hörer mit sich durch dieses Album. Eine Gelegenheit innezuhalten gibt es nicht. Und so kann man an „Fight Softly“ letztlich nur kritisieren, dass vielleicht zu viel auf einmal passiert und die Schönheit einzelner Melodien im Gegensatz zum Vorgänger weniger zelebriert wird. Fest steht aber: „Fight Softly“ macht unglaublich viel Spaß.

Kilian Braungart

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