Rezension

The Morning Benders

Big Echo


Highlights: Excuse // Cold War // Promises
Genre: Indie-Pop
Sounds Like: Grizzly Bear // Death Cab For Cutie // Local Natives // Beach House // Girls

VÖ: 18.06.2010

Große Echos entstehen aus lauten Geräuschen – was sie im Wesentlichen (wer hätte es gedacht) von kleinen Echos unterscheidet. Nun haben wir es bei der "Big Echo" betitelten zweiten Langspiel-Veröffentlichung der Morning Benders zwar nicht gerade mit einer minimalistischen Kammerpop-Platte zu tun, der durch den Titel implizierte große Knall bleibt jedoch aus – jedenfalls, wenn wir den Knall in Dezibel messen möchten. Emotional knallt uns "Big Echo" in jeder Sekunde großartigsten Indiepop in feinfühligsten Melodien um die Ohren.

Beim Opener "Excuses" muss man sich bereits versichern, dass die Platte doch gerade digital abgespielt wird und nicht etwa auf dem neben dem iPod stehenden Plattenspieler rotiert. Nein, nein, das Knistern zu Beginn ist synthetischer Natur, bewusst eingebaut und macht klar, dass der Sound der Morning Benders vor allem über die Wärme funktioniert. Was dann folgt, könnte auch auf "With The Beatles" schon Platz gefunden haben. Klar wird dem geübten Hörer schon die fehlende Ähnlichkeit von Chris Chus Stimme zu der von Lennon/McCartney beim ersten Hören auffallen, weitere Distinktionsmerkmale können aber tatsächlich erst beim wiederholten Genuss herausgehört werden. Dem Opener so viele Worte zu widmen, ist deshalb notwendig, weil alles, was sich hinten anschließt, musikalisch ganz und gar nichts mit diesem gemein hat.

Stattdessen scheinen die Jungs aus Berkeley bereits mit "Promises" ganz auffällig nach Brooklyn zu schielen. Mehr Ähnlichkeit mit Grizzly Bear (deren Mitglied Chris Taylor "Big Echo" produzierte) kann ein Song kaum haben, ohne als bloße Kopie zu gelten. Mit "Cold War" wird Dream Pop geliefert, wie ihn auch die Herren und Damen von Beach House oder Girls nicht besser hinbekommen könnten. Nach nicht einmal zwei Minuten (genau 1:44) ist aber Schluss damit und die Herrschaften widmen sich der balladesken Seite ihrer Platte. Was manch einer als inkonsequent abstrafen würde, ist im Grunde der absolute Nachweis des Experimentier- und Tatendrangs der Bande um Chistopher Chu, der sich auf Albenlänge erstreckt und niemals langweilig zu werden droht.

Mit "Big Echo" ist den Morning Benders eine Platte gelungen, die wie ein guter Freund sein kann. An so kalten, grauen, leicht deprimierenden Sommertagen, wie wir sie in den letzten Tagen erlebt haben, kann man sich einfach eine Decke über die Beine legen, einen Tee machen und sich in die unvergleichliche Songlandschaft kuscheln. Die Stilvielfalt bewirkt am Ende ein Gefühl der Vetrautheit, das in manchen Momenten einfach unbezahlbar ist.

Andreas Peters

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