Rezension

The Miserable Rich

12 Ways To Count


Highlights: Boat Song // Muswell // North Villas
Genre: Indie // Folk
Sounds Like: Minor Majority // Damien Rice // The Coral

VÖ: 04.04.2008

Huch, ein derart herbstliches Albumcover in der Blütezeit des Frühlings?! Sowas sollte man sich gar nicht erst anhören – die Stimmung ist doch gerade so gut! Weg damit! Ab in die Tonne! Obwohl, da kommt eine Quellwolke... was soll's: Mal reinhören. Gute Entscheidung. Wie bei jeder zweiten Müsli- handelt es sich um eine Mogelpackung. Worum handelt es sich nun, wenn nicht um jammernde Trauergesänge über gebrächlichen Gitarrenakkorden?

Hinter den jämmerlichen Reichen stecken fünf Musiker aus Brighton, die allesamt schon an anderer Stelle ihr Werk mit Bravour vollrichtet haben: eine sogenannte „Super Groups“. So alltäglich diese mittlerweile auch sind, so ungewöhnlich ist diesmal doch die Besetzung: Oder wann hat man das letzte Mal Mitglieder Elektro-, Emo- und Indierockbands gemeinsam als kleines Streicherensemble agieren sehen? Eine E-Gitarre gibt es nicht, einen Elektobass erst recht nicht und ein Schlagzeug?! Niemals, wobei man spätestens weiß, dass diese nicht vorhandenen Instrumente zu keinem Zeitpunkt fehlen, wenn man deren Abstinenz überhaupt erst beim sechsten Mal Hören bemerkt. Ein locker flockiges Album ist das Resultat, das selbst in den melancholischsten Momenten noch leicht wie eine Feder bzw. – für die Cineasten – eine Plastiktüte im Wind tanzt.

Neben der beschriebenden Unbekümmertheit der Lieder kommt dem Album die Fülle der Ohrwürmer zu Gute. Schon Opener „Early Mourning“ zeigt in bester Final-Fantasy-Qualität, wo die Reise hingeht: Es wird gezupft, gestrichen und gesungen, mal schneller, mal langsamer. Bei „North Villas“ tatsächlich so lahm, dass tatsächlich von einem echten Herbstlied gesprochen werden kann - die seit Radioheads rockiger Eröffnung des großartigen „Hail To The Thief“ längst überfällige Mathestunde inklusive:“1+1=2, 2+2=4, 4+4=8, 8+8=16, 16+16=32, 32+32=64“ - nicht die letzte Lehrstunde beweist das anschließende „The Time That's Mine“: „Monday, Tuesday, three more days til Friday“.

Textstark sind The Miserable Rich. Ob kreativ, lustig oder romantisch (“If you want to take me to the top of the tree I´ll be your monkey for you!“), Songschreiber James de Malplaquet versteht sein Handwerk. Einen Tick knackiger könnte die perfekt eingespielte Musik höchstens klingen, mehr auf den Punkt gespielt. Alles in allem jedoch ein empfehlenswertes Album.

Paul Weinreich

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