Rezension

The Minus 5

Killingsworth


Highlights: Favorite Mess // The Disembowlers // The Lurking Barrister
Genre: Alternative-Folk-Country-Gitarren-Pop
Sounds Like: Magnetic Fields // Wilco // R.E.M. // Modest Mouse // Weakerthans

VÖ: 10.07.2009

Scott McCaugheys The Minus 5, das ist doch die Band mit der Wilco-Kooperation und die, bei der R.E.M.s Peter Buck Mitglied ist, oder? Ja. Aber interessanter als diese Grundvoraussetzungen für The Minus 5 ist folgende Feststellung: McCaughey und Mitstreitern ist mit „Killingsworth“ ein einfaches, ein einfach schönes, amerikanisches Gitarrenpop-Album gelungen. In dieser Kategorie des zwischen Country, Americana, Folk und Rock changierenden Pops glänzt das Album in simpler, melodischer und eingängiger Schönheit. Während das selbstbetitelte („The Gun“-)Album vielfach eher roh und rockend daherkam, dominiert hier die intime Klarheit des Klangs. Wo jenes zwischen traditionell Amerikanischem und britischem Sixties-Pop pendelte, bestimmen hier eindeutig zeitlos amerikanische Themen und Weite.

In dieser Traditionalität, dieser – böse formuliert – herkömmlichen Darbietung verwehren sich die vierzehn Stücke erfolgreich einer differenzierten Beschreibung. Mal überwiegt das Alternative-Country-Gehabe, mal die Folklore-Tradition im Nachklang von Dylan, mal die alternativ pop-rockende Komponente. McCaughey und seine Mithelfer – neben Buck unter anderem die Shee Bee Gees oder The Decemberists – präsentieren so 14 geschliffene Halbedelsteine, in denen sich die Sonnenstrahlen spiegeln, von denen aller Schmutz dieser Welt abperlt und die ohne großen Aufwand das Leben des Besitzers bereichern. Unter diesen kleinen, musikalischen Wertgegenständen die wertvollsten auszumachen, ist schwer. Mal überzeugen am meisten der singende Zauber von „The Disembowlers“ und die rumpelige Schönheit von „The Lurking Barrister“. Auch „The Dark Hand Of Contagion“ in seiner trägen Harmonie könnte dazu gehören. Dann würde sich das ähnlich beginnende und hymnisch aufbrechende „Vintage Violet“ hinzugesellen. Für R.E.M.-Fans dürfte „Big Beat Up Moon“ aus dem Album heraus scheinen, und Country-Freunde werden wohl den Charakter von „I Would Rather Sacrifice You“ loben und „Ambulance Dancehall“ mit hervorheben. Weakerthans oder The Magnetic Fields klingen dagegen nicht nur in „Gash In The Cocoon“ erfolgreich an. Immer erfreut das Wechselspiel im Gesang zwischen McCaughey und seinen Gegenspielerinnen von den Shee Bee Gees. Die Qualität eines Songs besonders zu betonen, verlangte, die anderen herabzuwürdigen, und am Ende finden sich hier vierzehn gleichberechtigte natürliche Schönheiten.

„Killingsworth“ ist eines dieser Alben, die einen Hörer ein Jahr lang begleiten und beglücken können, ohne dass er weitere Musik braucht. Es bietet die Möglichkeit, in der Musik zu versinken, sich von ihr tragen zu lassen, sie einfach nur zu hören. Das macht es nicht zu einem großen Album, aber auch kleine Alben können glücklich machen. „Killingsworth“ gehört dazu.

Oliver Bothe

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