Rezension

The Late Call

Golden


Highlights: Carry // The Pact // Opposite
Genre: Folk // Singer/Songwriter
Sounds Like: Honig // Jens Lekmann // Jonathan Kluth

VÖ: 10.04.2015

Drei wunderbare Platten voller Melancholie und Schönheit hat der in Stockholm lebende Johannes Mayer bereits veröffentlicht. Jede gefüllt mit sparsam instrumentierten Songs, die mit zurückhaltender Percussion und schüchternem Klavier den Soundtrack für den Herbst bildeten. Zehn Monate ließ er sich nach der letzten LP „Pale Morning Light“ und der Tour nun Zeit, um neue Stücke zu schreiben. Mit einem Bündel voller Songs begab er sich dann auf die Suche nach einer Band und wurde fündig.

Und was für ein Glücksgriff diese Herren sind, zeigt sich während der kompletten Spielzeit von „Golden“. Denn was da in zehn Tagen im Bremer „Studio Nord“ entstanden ist, sind angenehm warm klingende Aufnahmen. Hier wurden keine Soundschnipsel am Monitor zusammengebastelt, sondern man stand sich eingeschworen im Halbkreis gegenüber und hat zusammengespielt. Herausgekommen sind Songs, die durchdacht und dynamisch daherkommen und von der Band mit viel Raum zum Klingen versehen wurden.

So ist dem Kollektiv mit dem Opener „Carry“ gleich ein kleiner Hit gelungen, der nebenbei die Stimmung der Platte treffend beschreibt. Während man sich bei den bisherigen Alben eher in die Stimmung verregneter Herbsttage versetzt fühlte, ist „Golden“ wie ein Frühsommertag. Es wird trotzdem nicht nur mit guter Laune und Unbeschwertheit um sich geworfen. So lassen Stücke wie „Opposite“ und „Leave No Trace“ mit ihrer getragenen Moll-Atmosphäre die Gemüter doch nachdenklicher werden, sind dabei aber nicht minder schön.

So abgedroschen es auch sein mag, aber auf diesem Langspieler ist so ziemlich alles Gold, was klingt. Keine Lückenfüller, keine halbgaren Entwürfe, sondern fein ausformulierte Songs, die wohl nicht so bald von der eigenen Playlist verschwinden werden. Spätestens wenn Mayer mit seiner langjährigen musikalischen Weggefährtin Ylva Ceder in „The Pact“ davon singt, wie sich zwei Menschen im jungen Alter geschworen haben, niemals so wie die Alten zu werden, hofft man inständig, dass dieser Schwur hält und The Late Call zumindest ein wenig dieser Unbeschwertheit mit auf die nächste Platte transportiert.

Sönke Holsten

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