Rezension

The Kooks

Inside In/Inside Out


Highlights: Ooh La // You Don't Love Me // Jackie Big Tits
Genre: Frühlingspop
Sounds Like: Shout out louds und andere fröhliche Bands

VÖ: 24.03.2006

Ich habe es gefunden. Jetzt sitzt es in einem leeren Einmachglas auf meinem Schreibtisch und hüpft fröhlich strahlend vor sich hin. Es ist klein, rosa, flauschig und vor allem: Liebenswert. Wenn es singt, schmelze ich ob seiner südenglischen Aussprache dahin.

Allerdings hege ich die Befürchtung, dass es wachsen wird, wenn erst alle mitbekommen haben, wie niedlich es ist. Das Glas wird platzen und ich werde die Scherben einsammeln müssen, während ich ihm dabei zusehen muss, wie es davon fliegt, denn mittlerweile sind ihm auch noch Flügel gewachsen. Die Menschen werden sich um es reißen, in Hysterie ausbrechen, sogar die Leute, die eigentlich keinen Sinn für Niedlichkeit haben. Und ich bin dann alleine und eifersüchtig.

So oder so ähnlich wird es aussehen, wenn erst sämtliche Indiepopper, und alle anderen auch, gemerkt haben, wie herrlich verspielt, verträumt, tanzbar und simpel das Debütalbum der Kooks ist. Und dann auch noch diese Jungs, die voll und ganz dem Prototyp des lockenköpfigen, süßen Indieschnuffels entsprechen, so dass die ersten Reihen bei Konzerten ganz, ganz sicher mit hübschen Mädchen mit Pony im Gesicht und gestreiften T-Shirts gefüllt sein werden.

DAS wird das neue Ding, ich glaube es, ich fürchte es. Schließlich ist es auch kaum möglich, sich so viel Charme zu entziehen: „Seaside“ als Opener vermittelt erstmal den komplett falschen Eindruck, es könnte sich eher um ein ruhiges, nettes Akustikgitarrenalbum handeln, voller Sehnsucht und Zärtlichkeit. Doch schon Song Number 2 macht klar, dass die Kooks eher weniger nachdenklich sind. „See the World“ hat bereits diesen fast quälend eingängigen Refrain. Hier wird getobt und gefeiert, ohne Kompromisse. Schließlich leben wir, also lasst uns fröhlich sein. In der falschen Stimmung kann das Album einfach nur ätzend sein, weil soviel Sonnenschein auf einmal in den Augen wehtut. Aber wenn man selber nicht gerade mit Kater aufgewacht oder der Hamster gestorben ist, kann man sich hier getrost anstecken lassen und laut mitsingend durch die Wohnung hüpfen. Mehr wollen die Kooks nicht, mehr brauchen die Kooks nicht.

Mit „Sofa Song“ und „Eddie’s Gun“ folgen gleich zwei weitere Kracher, die so unglaublich trivial sind, dass sie fast schon wieder anspruchsvoll wirken. Ja, dazu kann ich feiern, am besten mit zuckersüßen Cocktails in der Hand.

Aber dann: „Ooh La“. Was für ein bescheuerter Titel. Trotzdem: Aufhorchen. Die gute Laune ist ein wenig in den Hintergrund gerückt, was nichts an der Schlichtheit der Melodie ändert. Dennoch vermag dieser Song zu begeistern, frei nach dem Motto „This is it“. Vielleicht sind die Kooks doch nicht ganz so oberflächlich, wie man ihnen nach dem ersten Höreindruck vorwerfen könnte.

Und dann schließlich der unangefochtene Höhepunkt des Albums. „You don’t love me“ ist nicht nur fröhlich-poppig, er ist einer dieser Hits, den jeder einfach nur lieben muss, weil er mit Energie herum spritzt, so wie zuletzt „I bet you look good on the dancefloor“ von den Arctic Monkeys oder „Apply Some Pressure“ von Maximo Park, oder oder oder… Dieser Song ist es, der die Kooks groß machen wird, der in den Clubs rauf und runter gespielt werden wird, der schon mit der ersten Zeile ein Strahlen auf die Gesichter lockt.

„Jackie Big Tits“ ist die frechste Liebeserklärung seit langem, doch manchmal lässt frau sich gerne auf ihr Äußeres reduzieren und „Time awaits“ beginnt wie ein Cover der letzten Black Rebel Motorcycle Platte, entwickelt sich dann aber doch zu einem typischen Kooks-Song mit vielen „Oh oh“s und „Uh uh“s. Das ist alles so unglaublich lässig, dass plötzlich der Wunsch entbrennt, in seinem nächsten Leben ein Kook zu werden und nur noch mit Sonnenbrille durchs Leben zu gehen, vor allem nachts.

Es ist allerdings eine verdammt beschissene Haltung, Bands weniger zu lieben, wenn die Masse auch beginnt, sie zu lieben. Aber manchmal lässt es sich nicht vermeiden. Und ich weiß, spätestens wenn die ausverkauften Konzerte in größere Lokalitäten verlegt werden, hat sich meine Prophezeiung erfüllt und ich werde eifersüchtig sein, weil ich schließlich die Band der schönsten Frühlingsgefühle teilen muss. Aber Schluss jetzt, ich muss tanzen gehen.

Lisa Krichel

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