Rezension

The Growlers

Chinese Fountain


Highlights: Big Toe // Chinese Fountain // Good Advice
Genre: Surf-Rock // Garage-Rock // Pop
Sounds Like: The Strokes // Black Lips // The Doors

VÖ: 26.09.2014

Wenn eine Band ihre Musik selber als „Beach Goth“ bezeichnet, lädt dies nahezu zu einer kleinen Genre-Diskussion ein. Gut, ihre kalifornische Herkunft und die omnipräsenten Surf-Gitarren lassen den Bezug zum Strand deutlich erahnen. Doch malt man sich deswegen gleichzeitig die Gesichter an und färbt sich die Haare schwarz?

Zunächst einmal waren die 2006 gegründeten The Growlers ja immer eine feste Marke in Sachen „kalifornischem“, meint hier sonnigem, Garage-Rock. Eine neue Platte der Band zu hören, glich da schon dem zielsicheren Gang im Supermarkt: Hier den verrauchten, abgehangenen Gesang Brooks Nielsens eingesteckt, dort die mit Reverb und Flanger verfeinerten Gitarren Matt Taylors mitgenommen und den Einkauf nicht beendet, ohne lässig groovende Rhythmik draufzupacken.

Allerdings verabschiedete sich die Band für „Chinese Fountain“ ein Stück weit von der bisher ausgelebten Analog-Ästhetik mit all ihrem Rauschen und Knarzen und entschied sich für Aufnahmen mit „gutem Equipment“ in einem modernen Studio. The Growlers klingen dadurch deutlich bereinigt und aufgeräumter, im Klangbild wie im Songwriting. Dennoch – auch diesmal wurde das Album in wenigen Wochen zusammengezimmert. Ideen tot zu denken war nie die Sache des Kreativ-Gespanns Nielsen-Taylor.

Wie es sich für einen bunten Pudel gehört, ist auch „Chinese Fountain“ voll von Referenzen. Abgehackte Akkorde, die irgendwo im entfernten England von The Clash geborgt wurden, eröffnen „Big Toe“. Der Titeltrack „Chinese Fountain“ präsentiert sich hingegen im funkigen Disco-Gewand, womit sich The Growlers gleichzeitig an die Grenze zum Pop vorwagen. „Good Advice“ überzeugt als eingängige Mitgröhl-Hymne, worauf direkt im Anschluss das Ska-angehauchte „Going Gets Tuff“ folgt.

Während die Musik durchweg positiv klingt, behandelt Nielsen in seinen Lyrics aber auch ernstere Themen. „Dull Boy“ ist getragen von einer in Reggae-Rhythmik angerührten Grundsubstanz. Darüber schwebt einsam Taylors melodieverliebte Gitarre, während Nielsen ein beengendes Gefühl besingt, das es notwendig macht, eine Stadt und die damit verbundenen Erinnerungen hinter sich zu lassen. In der Stimmung und Aussage sind diese beiden Pole irgendwie grundsätzlich verschieden. In „Going Gets Tuff“ steht immerhin noch die positive Aussage: „Still always remembering when the going gets tough, that the labor of our love will reward us soon enough.”

Vielleicht ist dies des Genre-Rätsels Lösung. Ein bisschen „Goth“ im Herzen, liefern The Growlers weiter kurzweilige, sonnengetränkte Musik ab, die sich anbietet, den aufkommenden Herbst mit seinen ambivalenten Gefühlen etwas zu verschönern.

Jonatan Biskamp

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