Rezension

The Futureheads

The Futureheads


Highlights: Man Ray // Decent Days And Nights // Meantime // Carnival Kids
Genre: Postpunk
Sounds Like: The Clash // Kaiser Chiefs // Maximo Park

VÖ: 30.05.2005

Im UK scheint momentan jeder Mensch, der irgendein Instrument beherrscht, eine Band zu gründen. Anders kann man die derzeitige Schwemme an Musikkapellen, die von der Insel herüberschwappt, nicht erklären. Da ist es schon beinahe verwunderlich, dass jede Band ihre eigenen kleinen Eigenheiten hat, die sie vom Rest unterscheidet. So auch The Futureheads, die den besten mehrstimmigen Gesang seit The Housemartins am Start haben. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man vermuten, dass The Futureheads mit doppelt so vielen Bandmitgliedern ausgestattet sind. Da wird sich wahrlich um Kopf und Kragen gesungen!

Vom Sound her orientiert man sich weniger in New Wave Gefilden. Man lässt vielmehr die Gitarren sprechen und verbannt jegliche Synthiespielereien fast komplett aus dem eigenen Soundkosmos. Was man zu sagen hat, geschieht kurz und knapp in kleinen, sich windenden Bastarden schrammeligen Garagenpunks. Gerade mal ein Song übertrifft die 3 Minuten Marke und trotzdem hat man nie den Eindruck, dass irgendetwas fehlen würde. Dafür teilen The Futureheads viel zu schnell aus um selbst was einstecken zu müssen.

Tanzschuhe ausgepackt und los gehts! Lässt "Le Garage" noch etwas kalt, so ändert sich das sofort mit dem nachfolgenden "Robot". Ein pumpender Stampfer, der nach zwei Minuten aber auch schon dem sogar an The Beatles erinnernden "A To B" Platz macht. Weiter gehts u.a. mit dem einfach nur grandiosen "Decent Days And Nights". Schon jetzt ein sicherer Kandidat für den Tanzflächenfüller in jeder Indiedisse. Das rein A Capella dargebotene "Danger Of The Water" wirkt als einziger Ruhepol zwischen den ganzen hippeligen Partykrachern. Besonders hier kommt der über alle Zweifel erhabene Gesang wunderbar zur Geltung.

Schlag auf Schlag folgen Hit um Hit. Wer das Ende von "Carnival Kids" ernsthaft aus dem Kopf bekommt, hat wohl auch schon eine Lösung für das Haushaltsloch parat. "Stupid And Shallow" zeigt rotzfrech in 90 Sekunden wo der Hammer hängt, sehr weit oben.Und wie man einem ollen 80´s Gassenhauer einen mustergültig neuen Anstrich verpasst zeigen The Futureheads eindruckvoll an der Kate Bush Nummer "Hounds Of Love". Das der absolute Übersong ausgerechnet am Ende steht zeugt wohl von dem Bestreben, ein großartiges Album stilecht zu beenden. "Man Ray" hat alles, was man von einem Ohrwurm erwarten kann. Das Grundriff frisst sich sofort ins Hirn und wird nur noch durch die stark an Bloc Party erinnernde Gitarrenarbeit im Mittelteil in den Schatten gestellt. Das Ende steigert man dann schließlich in schmerzhafte Sphären und beschließt mit einem halb erschöpftem, halb frustriertem "Stop!". Aber bitte nur bis zur nächsten Platte!

Benjamin Köhler

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