Rezension

The Dandy Warhols

Earth To Dandy Warhols


Highlights: Mission Control // The World The People Together (Come On)
Genre: Psychedelische Rockmusik
Sounds Like: The Brian Jonestown Massacre // David Bowie // Dire Straits // Box Codax

VÖ: 22.08.2008

Ob man nun The Brian Jonestown Massacre oder die Dandy Warhols hört, die erste Frage lautet: Wie hört man sich die Musik an? Nüchtern oder betrunken? Oder gar auf irgendwelchen Kräutern? Um der Jugend ein Vorbild zu sein und weil man natürlich generell die Finger davon lassen sollte, entscheide ich mich für die nüchterne und drogenfreie Variante. Der Selbstversuch startet jetzt.

Ein Rauschen, ein Beat, erste Klänge. Behutsam baut sich "The World The People Together (Come on)" auf, irgendwann der reduzierte Gesang von Courtney Taylor-Taylor. Hier steht ganz klar die Melodie im Vordergrund, ohne Songbook ist der Text manchmal unverständlich. Ich schließe die Augen und versuche abzuheben. Und es gelingt, auch ohne Bier. Taylor-Taylor schreit förmlich den Titel ins Mikro, nuschelnd, aber es klingt gut. Ganz anders kommt "Mission Control" daher. 80er-Wave macht sich breit, die Stimme ist tief und deutlich, im Hintergrund hat sich ein Chor von Bass-Sängern aufgebaut. Dazu stampft der Beat. Das macht richtig Spaß.

"Welcome To The Third World" beginnt funky, der Gesang erinnert an Bowie und die Dire Straits. Mark Knopfler ist als Gast dabei, aber doch nicht bei diesem Lied. Erst später, beim "Love Song", darf er zur Gitarre greifen. "Wasp In The Lotus" ist wieder so ein typisches Drogenlied. Psychedelisch sagt mir meine innere Stimme, ich bedanke mich und schwebe wieder auf den Klängen der Dandy Warhols dahin. Diese Musik kann sicher in der falschen Stimmung furchtbar nerven, aber auch, wie gerade im Moment, einfach wunderbar sein. Hört man da bei "And Then I Dreamt Of Yes" am Anfang ein Karussell? Diese typische Melodie, ihr wisst schon? Oder bilde ich mir das nur ein. Irgendwann setzen behutsam Bläser ein, ein wohliges Gefühl steigt in mir auf. Der Songtitel ist mehr als passend.

"Talk Radio" ist wieder so eine Bowie/Dire-Straits-Nummer, erneut kommen die Blasinstrumente zum Einsatz, die manchmal wie vergnügte Kamele klingen. Dann also der "Love Song" mit Mark Knopfler und Mike Campbell von den Heartbreaks. Wie ein wilder Ritt durch die Abendsonne mit ner schottischen Lady auf dem Pferd, so klingt das, nur das Klappern der Hufe hört man nicht. Richtig schön verzerrte Gitarren gibts bei "Now You Love Me" zu hören, "Mis Amigos" ist jetzt doch etwas anstrengend. Dafür folgt direkt darauf Country-Rock. Ich hole jetzt nicht die Boss-Hoss-Keule raus und obwohl ich nicht nach Zeilen bezahlt werde, hier der vollständige Titel: "The Legend Of The Last Of The Outlaw Truckers aka The Ballad Of Sheriff Shorty". Ich höre Jim Beam aus meinem Kühlschrank rufen, aber ich bleibe eisern.

Der Endspurt. "Beast Of All Saints" beginnt melancholisch, nachdenklich, schaukelt sich nach einer Weile hoch, wirkt dabei aber nie böse oder bedrohlich, und sinkt am Ende wieder gedankenverloren in sich zusammen. Das siebenminütige "Valerie Yum" wird immer langsamer, um zum Schluss hin loszurennen, hin zum gleich doppelt so langen, relativ sinnfreien, aber verspielten "Musee D' Nougat". Nach knapp 69 Minuten ist es also geschafft. Und auch wenn die Platte nicht so eingängig ist wie die, die jeder kennt, "Thirteen Tales From Urban Bohemia" nämlich, ist sie durchaus interessant und gar nicht mal so anstrengend, wie man vielleicht befürchten könnte, im Gegenteil, manche Lieder machen richtig Spaß. Also weg mit den Klischees, dass man die Dandy Warhols nur high hören könne oder sie ja nur einen guten Song haben, den ich aber hier nicht nennen mag. Dafür hat die Gruppe schon zuviel geleistet, als nur darauf reduziert zu werden.

Martin Korbach

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