Rezension
The Civil Wars
Barton Hollow
Highlights: Barton Hollow // I've Got This Friend // Forget Me Not
Genre: Country // Folk
Sounds Like: Gillian Welch & Dave Rawlings // Emmylou Harris // Alison Kraus // The Everybodyfields
VÖ: 16.03.2012
Leicht hat es die Country-Musik nun wirklich nicht, schon gar nicht in Europa. Zu viele Vorurteile bestimmen die allgemeine Meinung über diese Musik. Dass Country aber viel mehr sein kann als primitives Radiogedudel für die konservativen Südstaatler, zeigt das Duo „The Civil Wars“ um Joy Williams und John Paul White wieder einmal auf, dessen im letzten Jahr erschienenes Debütalbum, nun auch seinen Weg nach Europa gefunden hat, nachdem es in den USA begeistert aufgenommen wurde und der Band zwei Grammies bescherte.
Freilich ist „Barton Hollow“, so der Titel des Albums, recht glatt geraten und ein wenig überproduziert, doch das nahezu perfekte Harmonieren von Williams' und Whites Gesang macht das locker wett. Man hört, dass „Barton Hollow“ von vornherein auf den großen Erfolg hin ausgerichtet ist, was es aber noch lange nicht zu einem schlechten Album macht. Ganz im Gegenteil, das hier sind einfach gute Songs – und zwar ohne Ausnahme. „I've Got This Friend“ hat einen Refrain zu bieten, den man so schnell nicht mehr los wird, „Poison & Wine“ strebt nach Dramatik und geht mit seiner Streicheruntermalung ohne Frage ein bisschen zu weit, was aber nichts an der Qualität des Songs ändert. Im Titeltrack besitzt der Gesang des Duos eine besonders große Ausdruckskraft und das sehr traditionell gehaltene „Forget Me Not“ kommt verhältnismäßig schlicht arrangiert daher.
Es wäre nicht fair, The Civil Wars musikalischen Ausverkauf vorzuwerfen, denn so massentauglich „Barton Hollow“ auch sein mag, es ist das Debütalbum zweier sehr talentierter Musiker, die mit viel Herzblut bei der Sache sind und sich nichts zu schulden kommen lassen. Man fragt sich jedoch schon, was für ein Album entstanden wäre, wenn diese Songs mit einfachen Mitteln irgendwo in einem kleinen Studio oder gar in einem Schlafzimmer aufgenommen worden wären. Bei „Barton Hollow“ bleibt jedenfalls trotz all der sauber abgefeilten Kanten so viel Individualität und Authentizität erhalten, dass man auch als Liebhaber von einfachem, ehrlichen Country hier auf seine Kosten kommt. Vielleicht kann dieses Album mit all der Aufmerksamkeit, die ihm momentan zukommt, einen kleinen Beitrag dazu leisten, das Image der Countrymusik ein wenig aufzubessern.
Sehen
Finden
Bye-Bye
Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!





