Rezension

The Bronx

The Bronx (III)


Highlights: Inveigh // Enemy Mind // Pleasure Seekers // Spanish Handshake
Genre: Punk'n'Roll-Core
Sounds Like: The Drips // Every Time I Die // Cancer Bats // Gallows

VÖ: 28.11.2008

Zur Beruhigung aller Zweifler Eines gleich vorneweg: Ja, der neue Ritt von The Bronx ähnelt ihrem ersten. Jetzt bitte aufatmen. Wohl gemerkt aber: Ähnelt, nicht gleicht. Und schon sind wir bei dem Konzept angelangt, aus dem diese Platte weitaus smarter ist, als sie durch ihr selten dämliches Cover und ihre wahnsinnig kreative Betitelung zunächst suggeriert: Grundgerüst: das Debüt, Fassade: der Nachfolger. Glücklich: Jedermann.

Denn all jene, die dem Zweitling der fünf besengten Säue aus Los Angeles nicht seine dringend benötigte Reifezeit gewähren wollten, dürfen sich jetzt darüber freuen, dass The Bronx ihr Vehikel wieder völlig übertourig durchs Gelände jagen. Es kreischt, es rummst, es holpert an jeder Ecke, die Produktion hat abgespeckt, ist kantiger, schroffer, schlichtweg: punkiger. Die Homogenität im Sound ist zurück, alles entrümpelt. Gleichzeitig, und genau das ist der entscheidende Kniff von The Bronx III, behält die Band den Vorgänger - respektive die aus ihm gewonnen Erkenntnisse - im Gedächtnis. Erst dessen pointierteres Songwriting, gewachsene Musikalität und differenzierteres Klangbild komplettieren den rauen Charme des so bekannt klingenden Neulings.

Resultat ist eine Platte voller Hits, zwischen die kein Blatt mehr passt, deren Hitdichte es locker mit der Bevölkerungsintensität chinesischer Großstädte aufnehmen könnte. „Inveigh“ macht seinem Titel alle Ehre, kühlt sich zu einem basslastigen Downpart ab und brettert zum Schluss wieder los; Matt Caughtrain betreibt dazu mit seinen Stimmbändern alle paar Takte den für andere tötlichen Bungeejump. „Enemy Mind“ setzt mit urdreckigem Riff erst zum Punkhit an und eskaliert dann wider Erwarten im brutalsten Refrain, den diese Band je auf Band gebracht hat. Der Hörer fühlt sich unterdessen wie ein frischgeborenes Hundewelpen zwischen den Fronten einer Wall-Of-Death aus Hardcore und Hardrockkids – just im Moment des Aufpralls.

Wenn sie die Nuancen nur ein wenig Richtung Melodiösität verschieben, hat sogar der ansonsten etwas zarter besaitete Hörer seine Freude, man höre nur einmal die erste Single „Young Bloods“ oder den Überrefrain von „Spanish Handshake“: „I am an addict, an animal. I'm my father's son!" Gute Laune garantiert. Welchen Spaß The Bronx ohnehin machen und schon immer gemacht haben, unterstreichen sie auf diesem auf den Punkt gebrachten Arschtritt einmal mehr. Die nächste Platte sollte „Now we'll have another beer and then we're gonna fuck you up real proper“ heißen. Oder eben wieder The Bronx. Wobei: Eigentlich vollkommen egal. Weil die Titel synonym sind.

Gordon Barnard

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