Rezension

The Boxer Rebellion

Ocean By Ocean


Highlights: Let's Disappear // Redemption // You Can Love Me
Genre: Indiepop
Sounds Like: The Maccabees // Editors

VÖ: 29.04.2016

Wenn man als Band schon eine Weile im Geschäft ist, ein paar Alben aufgenommen hat, die vom Feuilleton wohlwollend aufgenommen wurden, aber den ominösen „großen Durchbruch“ immer noch nicht geschafft hat, muss man an einem bestimmten Punkt eine Entscheidung treffen: Soll man weiterhin versuchen, irgendwie noch den großen Hit zu landen und damit entweder für ein paar Wochen von der Musikpresse gefeiert oder im Radio totgespielt werden oder gibt man den Traum vom großen Erfolg auf? Dann kann man entweder ohne die Hitambitionen weiterhin Musik machen oder man löst die Band auf und sucht sich einen anderen Weg, um die Brötchen zu verdienen. Wenn man nämlich wie The Boxer Rebellion schon seit 15 Jahren Musik macht, ist man ja auch nicht mehr ganz so jung wie all die anderen Indiebands, die auf die große Bühne und vor das zahlungswillige Publikum drängen und irgendwo muss das Geld für die Miete ja herkommen.

The Boxer Rebellion gehen mit ihrem fünften Album den ehrenhaftesten der möglichen Wege und machen einfach weiter wie bisher. Auf „Ocean By Ocean“ zeigen sie sich von ihrer besten Seite und präsentieren eine Platte, die all das bietet, was man von den Briten erwartet hat: ergreifende Indiesongs zwischen Euphorie und Melancholie. Dabei bietet „Ocean By Ocean“ ein paar Hits, die stets nur knapp an der Radiotauglichkeit vorbeischrammen: Die Singleauskopplung „Big Ideas“ lädt zum Träumen ein, während „Let’s Disappear“ voller Tatendrang steckt. Auch gewohnt ruhige Songs wie „You Can Love Me“ oder das sphärische „Redemption“ schleichen sich in die Gehörgänge, wobei ersteres das wohl melancholischste Lied der Platte ist und letzteres für hohe Ausschläge auf der Pathosskala sorgt.

So bleibt auch nach 15 Jahren und fünf Alben bei The Boxer Rebellion alles beim Alten: Mit Euphorie und Melancholie, Pop und Pathos bleibt sich das Quartett treu. Es kann gut sein, dass auch diesmal nicht der eine Hit dabei ist, der zum endgültigen großen Durchbruch führt. Dabei hätten solch große Melodien durchaus eine große Bühne verdient.

Lisa Dücker

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"Weapon" bei Soundcloud
"Keep Me Close" bei Soundcloud
"Big Ideas" bei Soundcloud

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