Rezension

Teeth Of The Sea

Wraith


Highlights: Hiraeth // I'd Rather, Jack // Visitor
Genre: Postrock // Ambient // Elektro // Noise
Sounds Like: Ez3kiel // Mogwai // Colin Stetson

VÖ: 22.02.2019

Vielfach werden Streamingdienste wie Spotify ja von diversen Seiten verdammt. Die Audioqualität sei zum einen mäßig und zum anderen, wohl als Hauptkritikpunkt: Die Musiker werden nicht genug bezahlt. In der Tat fließt der überwiegende Teil der eingenommenen Gelder an eine kleine Anzahl an Künstlern mit Streams im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich. Eine Reform, etwa, dass sich die Gelder eines Users direkt an die gehörten Künstler verteilen, wäre sicher angebracht.

Dennoch haben diese Dienste einen riesigen Vorteil: Nie war es so einfach, ein verstreutes Publikum zu finden. So tauchte das völlig unbekannte „Hiraeth“ der zuvor noch nie gehörten Band Teeth Of The Sea in einer Empfehlungsplaylist auf, basierend auf dem eigenen Geschmack. Dieses Stück ist ein Ausrufezeichen, irgendwo zwischen Postrock, Elektro und einer wahnsinnig eingestreuten Trompete macht es Lust auf mehr. Und siehe da: Teeth of The Sea sind bereits seit zehn Jahren aktiv, haben schon eine Handvoll Alben veröffentlicht. Einen durchgängigen Stil hat das Trio dabei nicht, die ersten drei Veröffentlichungen brillieren irgendwo zwischen Post- und Spacerock mit leichten Ambienteinflüssen, seit dem 2016er „Highly Deadly Black Tarantula“ sind deutliche Einflüsse von Industrial, Noise und sonstigen elektronischen Spielereien hörbar.

Der Opener „I’d Rather Jack“ folgt auch sofort der Entwicklung des Vorgängers weg vom ausufernden Rock hin zum elektronischen Industrial. Produziert wurde das Stück sinnigerweise auch von Erol Alkan. Auf Position zwei befindet sich das überragende „Hiraeth“, ehe „Burn Of The Shielding“ auf die Bremse tritt und wunderschön verträumten Postrock mit elektronischen Ambienteinflüssen bietet. Mit dem elektronisch flimmernden „Visitor“ geht (nach „Fortean Steed“) die Reise weiter, bei der erst einmal vier Minuten redundante Beats im Vordergrund stehen, ehe gemächliche „gewöhnliche“ Instrumente wie Schlagzeug und Bläser einsetzen und in typischer Postrockmanier Soundschicht um Soundschicht aufstapeln. Hier wird der Bogen zu „Master“ und dem überragenden „Your Mercury“ geschlagen, deren psychedelische Note zum Vorschein kommt. „Her Wraith“ setzt diesen ruhigen, psychedelischen Soundtrackstil fort, Tempo und Eindringlichkeit der ersten beiden Stücke sind in weiter Ferne. „Our Love Can Destroy This Whole“ ist gar recht einlullend. Es scheint, als würde „Wraith“ mit einem lärmenden Paukenschlag beginnen und dann langsam zerfasern. Dieser Schein trügt jedoch, wie dumpfe Beats direkt einmal ankündigen. Den Abschluss bildet „Gladiators Ready“ und dieses hat sich zum Ziel gesetzt, sämtliche aufgebaute Entspanntheit der letzten 25-30 Minuten wieder einzureißen. In einer bislang bei Teeth Of The Sea noch nicht dagewesenen Stumpfheit werden videospielartige Elektroschnipseleien aneinandergereiht, um mit diesem Paukenschlag den Hörer wieder zu „wecken“, was schon fast zu viel des Guten ist.

Klaus Porst

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"Hiraeth"

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