Rezension
Styrofoam
Disco Synthesizers & Daily Tranquilizers
Highlights: Mile After Mile // Am I The Ghost // Get Smarter
Genre: Elektropop // Indietronic // Breakbeat
Sounds Like: New Order // Depeche Mode // Lali Puna // Massive Attack
VÖ: 22.10.2010
Indie ist mittlerweile zur musikalischen Sammelstelle geworden für allerlei Scharlatane, einige Juwelen und ganz viel Sondermüll. In jedem Fall hat der Begriff mit den Jahren an Trennschärfe verloren – falls er sie je besaß. Unter besagten Gruppierungen tummelt sich nun seit gut zehn Jahren auch eine Fraktion, die die "Unabhängigkeit des Indie" mit elektronischen Elementen kombiniert. Heraus kommt Elektropop oder auch "Indietronic". Der lässt sich nebenbei konsumieren oder auch auf der Tanzfläche genießen – garantiert ohne Langzeitwirkung.
Eine der Größen dieses eher kleineren Seitenarms der "unabhängigen" Musik ist Styrofoam. Der Belgier Arne van Petegem, der sich hinter dem Pseudonym verbirgt, hat sich vorgenommen, "ein 'zeitloses Elektronikalbum' zu schaffen, das von Klassikern wie New Order, Kraftwerk, Depeche Mode und [seiner] Liebe zu frühem Electro Hip Hop und Postpunk" inspiriert ist. Zumindest behauptet das der Promo-Text zu seinem sechsten Werk "Disco Synthesizers & Daily Tranquilizers". Ein ziemlich ambitioniertes Vorhaben, möchte man meinen. In der Regel hat es bislang selten geklappt, ein zeitloses Werk auszurufen, bevor es überhaupt den Markt erreicht hat. Ob Musik über die Jahrzehnte erhaben ist, lässt sich erst mit großer zeitlicher Distanz feststellen. Zudem ist wohl kaum ein Genre so sehr wie elektronische Musik den Moden der aktuellsten Synthesizer, Programme und Spielereien verpflichtet.
Aber eine Musik-Rezension wäre keine Rezension, wenn sie nicht trotzdem eine Tendenz vorgeben würde. Und die sieht in diesem Fall leicht positiv aus. Tatsächlich tummeln sich auf dem Album einige gute Songs, unter anderem das verträumte "Mile After Mile", die leicht düstere Trip-Hop-Nummer "Am I The Ghost" oder das schnodderige "Get Smarter", das am Ende mit Kinderstimmen punkten kann. Die Gitarrensounds hat van Petegem auf ein Minimum reduziert, dagegen stehen unterschiedliche Synthesizer-Sets im Vordergrund. Auch der Opener "Carolyn" und der Downtempo-Closer "Believe Everything" reihen sich ein in den Reigen smarter Breaks. Entstanden ist gewissermaßen ein buntes Showcase dessen, was sich mit elektronischen Klängen so alles anstellen lässt, ohne dabei die Spuren des Pop im weiteren Sinne zu verlassen und unsere Hörgewohnheiten zu sehr zu verändern.
Die genannten New Order, Kraftwerk und Depeche Mode lassen sich als legitime Inspirationsquellen anführen, dennoch spielt Styrofoam mindestens eine Liga darunter. Während die großen Drei Klassiker geschaffen haben, liefert van Petegem "nur" ein leicht überdurchschnittliches Album ab, denn wie immer steckt der Teufel im Detail. DS&DT hat einfach diverse Momente, in denen das Album nur weiterläuft, ohne auf sich aufmerksam zu machen. "What's Hot And What's Not" ist beispielsweise genauso nervig, wie es der Titel des Songs vermuten lässt. Eine verzerrte Stimme auf einem dreckigen Beat und dazu ein Vocoder-Refrain – nein, danke! Und so verpasst die Platte den Sprung in den Indie-Olymp, aber möglicherweise zeigt sich in 20 Jahren, dass dieses Album den Nerv der Zeit ziemlich gut getroffen hat – und erlebt einen zweiten Frühling.
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