Rezension

Stars

The Five Ghosts


Highlights: Dead Hearts // Wasted Daylight // Fixed // He Dreams He's Awake
Genre: Pop
Sounds Like: Metric // Broken Social Scene // The Most Serene Republic // Rilo Kiley

VÖ: 25.06.2010

Der Duett-Gesang von Amy Millan und Torquil Campbell gehört zum Schönsten, was Popmusik in den letzten Jahren bieten konnte. Kein anderes Duo verstand es dermaßen, ehrlich und gleichzeitig so entwaffnend über einfachste Beziehungsgeschichten zu singen wie die beiden Kanadier. Nach den sehr erfolgreichen Alben „Set Yourself On Fire“ und „In Our Bedroom After The War“ waren die Erwartungen an „The Five Ghosts“ im Vorfeld turmhoch. So hoch gar, dass sie von den Stars nicht ganz erfüllt werden konnten.

Dabei könnte der Einstieg in das nunmehr fünfte Album der Band nicht besser gelingen. „Dead Hearts“ braucht gerade einmal ein paar Sekunden, um diese typische Stars-Atmosphäre irgendwo zwischen Romantik und Lebensweisheit aufzubauen, eine Atmosphäre, in der man sich sofort wohl und einfach so unglaublich verstanden fühlt. Zuckersüßester Pop zwar, aber dennoch lecker schmeckend. Auch das etwas flottere „Wasted Daylight“ mit seinem wunderschönen Refrain, die erste Single „Fixed“ und eine ganze Reihe weiterer Songs sind Popmusik, wie man sie besser nicht machen kann und die sich auch vor früheren Großtaten nicht zu verstecken braucht.

Ab und an und besonders hinten raus offenbaren sich aber auf „The Five Ghosts“ einige Schwächen, die sich trotz aller Schönheit nicht so leicht ignorieren lassen. Manche Songs sind so einfach gestrickt, dass sie nach mehrmaligem Hören schon recht belanglos („How Much More“) und bisweilen gar nervend werden („The Passenger“). Eine größere Enttäuschung ist aber die Tatsache, dass „The Five Ghosts“ häufiger textlich einige Schritte zurück macht im Vergleich zu den Vorgängeralben. „We Don´t Want Your Body“ ist so zum Beispiel schon richtig Holzhammer und will so gar nicht zu den Stars passen.

Woran diese kleine Ernüchterung festzumachen ist, darüber kann nur spekuliert werden. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass erstmals alle Bandmitglieder am Songwriting-Prozess beteiligt waren. Vielleicht war der Druck zu groß. Vielleicht aber auch einfach nur ein minimaler Ausrutscher, wie ihn jede gute Band mal unterläuft. Und unter dem Strich bleibt das sowieso Nörgeln auf hohem Niveau, denn selbst ein vergleichsweise schwaches Album der Stars ist immer noch absolut hörenswert.

Benjamin Köhler

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