Rezension

Spiritualized

Sweet Heart Sweet Light


Highlights: Hey Jane // Get What You Deserve // I Am What I Am
Genre: Psychedelic Rock // Indie // Shoegaze // Gospel
Sounds Like: Spacemen 3 // The Velvet Underground // The Beach Boys

VÖ: 13.04.2012

Jason Pierce und der Glaube – keine so einfache Beziehung. Irgendwann im späten Drogenwahn von Spacemen 3 muss ihm der liebe Herrgott erschienen und seitdem nicht mehr von seiner Seite gewichen sein. Mit Spiritualized arbeitet sich Pierce seit mehr als 20 Jahren an dieser kathartischen Verbindung ab. Höhepunkt dürfte dabei das auf Tonträger veröffentlichte Erweckungserlebnis in der Londoner Royal Albert Hall von 1997 gewesen sein, inklusive Gospelchor, Streichern, Pauken und Trompeten und „Oh Happy Day“ zum Ausklang. Hallelujah!

Auf „Sweet Heart Sweet Light“ lässt sich Pierce bis zum Zwiegespräch mit höheren Mächten etwas Zeit, geht dann aber auch gleich in die Vollen. „Jesus please be my bullet and gun / Shoot all the sinners down, every one“ fleht er im vorletzten Song „Life Is A Problem“ mit brüchiger Stimme, um mit dem darauf folgenden „So Long You Pretty Thing“ gleich nachzulegen: „Help me lord it ain’t easy / Cause I’m living with the blind.“

Nach dem rumpeligen „Amazing Grace“ und dem recht faden „Songs In A&E“, auf dem Pierce eine schwere Lungenerkrankung verarbeitete, ist „Sweet Heart Sweet Light“ die kaum noch zu erwartende Großtat geworden. Schon zu Beginn entpuppt sich der 2-Akkord-Stampfer „Hey Jane“ als einer der besten Spiritualized-Songs seit längerer Zeit. Wie sich dieser nach drei Minuten plötzlich im freien Fall befindet, sich noch einmal aufrappelt und trotzig weiter stolpert, ist großartig. Der klingelnde Wecker der Space-Sinfonie „Get What You Deserve“ und das Free-Jazz-Finale von „I Am What I Am“ sind weitere tolle Momente dieses Albums. Neben orchestralen und opulenten Himmelsfahrten wie „Too Late“ und „Freedom“, welches der Kitsch-Falle nur sehr knapp ausweichen kann, steht mit „Headin’ For The Top Now“ auch ein rauschhaft kakophonisches Stück. Wo es einen Gott gibt, ist der Teufel eben nicht weit.

Das Geheimnis von Spiritualized liegt wohl in der Alleinherrschaft von Jason Pierce. Der Mann hat eine musikalische Vision, die er mit allen Mitteln verfolgt und der sich niemand in den Weg stellt. Im letzten Stück des Albums, dem schon erwähnten „So Long You Pretty Thing“, gönnt sich Pierce dann eine letzte Eigenheit und singt gemeinsam mit seiner elfjährigen Tochter das herzzerreißende Intro des Songs ein. Mit „Sweet Heart Sweet Light“ kommt er dem Genius seines Meisterwerkes „Ladies And Gentlemen We Are Floating In Space“ wieder sehr nahe.

Florian Tomaszewski

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