Rezension

Sparta

Threes


Highlights: Unstitch Your Mouth
Genre: Alternative Rock
Sounds Like: Incubus // U2

VÖ: 27.04.2007

Die empirische Wahrnehmung lässt ja fast den Schluss zu, Sparta seien mittlerweile populärer als die nur zu guten Bekannten von The Mars Volta, haben diese doch mit den letzten beiden Alben eher Schnellschüsse denn würdige Nachkommen zum grandiosen Debüt geliefert und viel Angriffsfläche für Kritik geboten. Schlagzeilen höchstens durch den Band-Wechsel von Paul Hinojos, der mal eben Sparta gegen Mars Volta eintauschte. Aber um die soll es an anderer Stelle gehen. - Wichtig ist: "Threes", das neue Album, um genau zu sein, das dritte von Sparta, ist erschienen. Der Vorgänger war stark, weckte hohe Erwartungen, das Debüt verschwand im Schatten von "De-loused In The Comatorium". Alles längst vergangene Zeiten. "Threes" deutet es schon im Titel an: Programmatik und Systematik wird nun groß bei Sparta geschrieben. Und das hört man auch. Der raue und ungeschliffene El Paso-Sound ist nun recht simplem Alternative Rock gewichen.

Traurig für all diejenigen, die mit Sparta gerade wegen ihrer Suche nach der Schönheit im Ungeschliffenen etwas anfangen konnten. Zugegeben, "Unstitch Your Mouth" mag ein okayer Song sein, durchaus seine Berechtigung haben, viel mehr als leicht verdaulichen Kitsch stellt er dann aber trotzdem nicht dar. Ähnlich sein Nachfolger. "Taking Back Control" macht auf Emo, präsentiert seltsamen Gesang von Ward in der Strophe (Gesangsstunden!?), um dann in der Hook doch noch auf altbewährte Weise die Kruve zu kriegen. Wozu dieser Wandel zum deutlich Schlechteren, wenn doch das Potential nach wie vor vorhanden ist. "Erase It Again" ist schon wieder unangenehme Stromlinienförmigkeit, die allerdings niemanden hinter dem alten At The Drive-In-Denkmal hervorlocken wird, keine Chance.

Das ganze Album über, knapp 50 Minuten, langweilen Sparta mit ihrem Zugeständnis an die Massentauglichkeit und das Zucken mit der Wimper, die Scham, wie sie in manchen okayen Momenten, wie zum Beispiel "Weather The Storm", doch wieder hinauslugt, können sie kaum verbergen. Man könnte anfangen darüber zu sinnieren, was die Band dazu brachte, sich so sehr vom alten Sound zu distanzieren und dieses Album einzuspielen. Die Unsterblichkeit von At The Drive-In kann es nicht sein, vielleicht der Schmerz darüber, nie wieder so gut, so hungrig zu sein. Aber so übersättigt, dass dabei dann "Threes" rauskommt, kann nun doch wahrlich ebenfalls niemand sein. Dann besser aufhören.

Oder sich mehr Zeit lassen. In Anbetracht dessen, was hier geschrieben steht, kann man sich schon die Frage stellen, ob der Rezensent nicht völlig Unrecht habe, mit dem was er schreibt, hat doch "Threes" bislang durchweg positive Kritiken einheimsen können und durch die Bank überzeugt. Pustekuchen, was da vielen so gefällt, ist das äußert kurzweilige und vergängliche Antlitz einer Band, die es satt hat, nicht groß zu sein. Aber geschenkt, nun kommt, worauf sie hingearbeitet hat. Edelrestaurant statt Diner? Wohl bekomm's!

Konstantin Kasakov

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