Rezension

Sons & Daughters

Mirror, Mirror


Highlights: The Model // Rose Red // Bee Song
Genre: Retropop
Sounds Like: The Cure // The Clash // Siouxsie & The Banshees // Karmadeva

VÖ: 10.06.2011

“Mirror Mirror” lautet der Titel des neuen Albums von Sons & Daughters und schnell wird klar, mit welcher Art von Spiegeln wir es in diesem Falle zu tun haben. Sons & Daughters stellen ihn gegenüber der musikalischen Hall Of Fame der frühen 1980er Jahre auf und schauen, wieviel von dem Glanz der goldenen Schallplatten noch reflektiert werden kann. So ist „Mirror Mirror“ eine Art Best-Of-Coverversionen wegweisender Künstler und Alben der Jahre 1979 bis 1982.

Dröhnender Bass, ein wiederholtes Mirror, my Mirror – der Einstieg ist weniger mitreißend, als beim Vorgänger „This Gift“, dafür umso hypnotisierender. "The Model" lässt im Titel ein Kraftwerkcover vermuten, klingt aber eher nach The Cure im Jahre 1981. Den Gesangspart könnte statt Adele Bethel auch Robert Smith übernehmen. Auch „Breaking Fun“ lässt die Zeit stillstehen. Kurz The Clash mit einem Cure-angehauchten Wahwah-Gitarreneffekt gemixt, fertig ist die Reise in die Vergangenheit. Erstmals voll ins Bewusstsein tritt dabei auch Zweitsänger Scott Paterson, der bislang eher Backgroundvokalist war. „Don’t Look Now“ klingt nach Siouxsie & The Banshees, noch mehr sogar nach deren Wiedergänger Karmadeva. Neben dem monotonen Bass ist es vor allem beachtlich, wie variabel Bethels Stimme inzwischen geworden ist. Der einzige herausstechende Song ist der „Bee Song“, der nach Radiohead klingt. Es scheint ansonsten (wie z.B. in „Rose Red“) wirklich, als hätte die Band günstig irgendwo das alte Equipment von Robert Smith und Konsorten samt fertiger Einstellungen übernommen und einfach drauflos gespielt. Das Resultat sind raue, in metallisch klingende Höhen getriebene Gitarren und Bassparts, Gesang mit sehr viel Hall und die Frage, was man von einem Album halten soll, das 2011 erscheint, aber schon 30 Jahre alt ist.

„Mirror Mirror“ ist kein ambitioniertes Indierockalbum mehr wie der Vorgänger „This Gift“. In den drei Jahren seit dessen Veröffentlichung hat sich viel getan in der Musikwelt, vor allem die Rückkehr der 80er macht sich überall bemerkbar. Während viele andere Bands wie The Killers, Glasvegas oder Friendly Fires jedoch versuchen, die Popmusikseite mit möglichst viel Synthesizern und Schmalz wieder aufleben zu lassen, gehen Sons & Daughters einen anderen Weg. Sie bleiben im New Wave hängen, widmen sich der dunklen Seite dieser Zeit. Musikalisch ist daran nichts auszusetzen, der einzige Vorwurf, dem sich die Band stellen muss, ist, doch ein wenig sehr dreist geklaut zu haben.

Klaus Porst

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