Rezension
Smith Westerns
Soft Will
Highlights: 3am Spiritual // White Oath // Only Natural
Genre: Indie-Rock // Glam-Rock
Sounds Like: Girls // Suede // Vampire Weekend
VÖ: 05.07.2013
Man hat sie öfter schon irgendwo gehört, diese Geschichte, in der sich ein jugendliches Mädchen in einen gleichaltrigen Jungen verliebt und ihn eigentlich zu schätzen weiß, obwohl er seine Macken hat. Die Beziehung läuft ganz gut, aber dann nach ein paar Wochen passiert es – das junge Ding lernt den älteren Bruder ihres Freundes kennen und dieser ist ihrem Schwarm nicht nur ähnlich, sondern sieht sogar noch ein Stück besser aus und ist auch im Kopf viel weiter und interessanter. Und plötzlich findet sie ihren jüngeren Freund gar nicht mehr so toll. So ungefähr lässt sich das Problem des neuen Smith-Westerns-Album erklären.
Geändert hat sich, trotz 140 Auftritten seit dem letzten Album, bei den Smith Westerns eigentlich gar nicht so wirklich etwas. Da ist immer noch die verträumte Gitarre, die sich immer mal wieder in den Vordergrund drängelt und eine zuckersüße Sommermelodie Richtung Ohr schickt, und auch dass die Band einen neuen Drummer hat, hört man eigentlich nicht raus, was durchaus positiv gemeint ist. Da ist auch wieder die säuselnde, übersanfte Stimme von Cullen Omori, die melancholisch schwelgt und genau das transportiert, was die Texte beinhalten und immer wieder nickt man unweigerlich mit. Und leider muss sich die Band eben doch den Vorwurf gefallen lassen, dass der ganz große Song fehlt oder durch irgendeine Bridge verloren geht, auch wenn Lieder wie „3am Spiritual“ und „Only Natural“ mit ihren eingängigen Refrains schon ganz nah dran sind. Trotzdem hat man bei keinem Song so richtig das Gefühl, dass er der große Wurf wäre. Es ist eben immer eine dünne Linie zwischen einem homogenen Gesamtwerk und zu ähnlichen Songs, die langweilen, und gerade bei den beiden Videos zum neuen Album – „Idol“ und „Varsity“ –, von denen letzterer Song eindeutig empfehlenswerter ist, vermisst man doch irgendwas.
Wer also trotz des Hypes vor zwei Jahren noch nichts von den Smith Westerns gehört hat und die neue Platte in die Hand bekommt, der wird schnell merken, dass die Jungs eine ziemlich verträumte, sympathische Band sind und noch viel Potenzial für gute Alben mit sich rumtragen. Und wenn der besagte große Bruder „Dye It Blonde“ einfach nicht wäre, dann könnte man die zehn Tracks auch allesamt verliebt anschmachten, aber der blonde Bruder im Nebenzimmer hat eben doch ein ganzes Stück mehr drauf.
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