Rezension

Skatebård

Cosmos


Highlights: June Nights South Of Siena // React 2 Rhythm // Marimba
Genre: Nu-Disco
Sounds Like: Annie // Sally Shapiro // Prins Thomas // Datarock // Simian Mobile Disco // Lindstrøm // Röyksopp // Munk

VÖ: 31.10.2008

Es lässt sich Skatebård im Angesicht seines neuen Albums „Cosmos“ nicht vorwerfen, man bekäme nicht genug für sein Geld. Mit 77 Minuten und ein wenig mehr ist der Silberling bis obenhin voll gequetscht. Doch wie bei SCSI-9 frage ich mich, ob elektronische Musik mich langsam auf Dauer so langweilt, oder ob das nicht wirklich zu viel des Guten ist. Aber man muss das Album ja nicht auf einmal durchhören, nicht? Man kann ja eine Pause machen. Natürlich gilt ebenfalls: In langen kalten norwegischen Winternächten freut der Hörer sich über jede weitere Minute warmer sommerlicher und südländischer Disko-Sounds. Nehmen wir einfach an, das habe Bård Aasen Lødemel bei der Produktion von „Cosmos“ angetrieben.

Ein Anliegen, das ihm gelingt, selbst wenn natürlich im letzten Albumviertel bei gleich bleibender Qualität nicht mehr alles zwingend wirkt. Zu diesem Zeitpunkt ist jedoch schon eine Stunde vergangen, in der Lødemel aka Skatebård beweist, dass er zu recht in einem Atemzug mit Prins Thomas und Lindstrøm oder aber auch Röyksopp genannt wird. Sei es nun House, Electro, Nu-Disco oder das Lieblingswort der Saison "Italo-Disco", bzw. deren Revival, die Tracks auf „Cosmos“ haben die Wirkung eines hartnäckigen Virus, hochgradig infektiös verleiten sie zum Tanzen, zum Grooven, sind gleichzeitig poppig genug, um sich zu echten Ohrwürmern zu entwickeln. Ihre Tanzflächentauglichkeit ist nicht zu bezweifeln, aber sie funktionieren ebenso als Hintergrund- wie Alltags-Beschallung.

Glücksgeladene Hits gibt es auf „Cosmos“ ebenso wie atmosphärisch dichte, sich langsam entfaltende Soundscapes. Zu letzteren gehört das eröffnende „Vuelo“, dem der dunkle Science-Fiction-Soundtrack „Kosmos“ folgt. Besondere Erwähnung verdient vor allem das zweite Viertel des Albums, in dem sich mit „June Nights South Of Siena“, „React 2 Rhythm“ und „Marimba“ die absoluten Höhepunkte finden. Zunächst eine ekstatische Disco-Hymne, dann ein hormon-geladener Housetrack, der die Sonne unter- und wieder aufgehen lässt, sowie seinem Titel („React 2 Rhythm“) alle Ehre macht und abschließend die karibische Rhythmusmaschine. Ab diesem Punkt kann Skatebård nicht mehr verlieren. „Skatebård Loves You“ und „Early Morning“ festigen den Erfolg, das eine klassisch alle Dancefloor-Regeln ausspielend und das andere wieder den Synthie für die Schaffung von akustischen Landschaftsbildern nutzend.

Mancher wird „Cosmos“ nur hören wollen wegen des Hidden Tracks „Love Attack“. Annies Gesang hat diese Wirkung. „Cosmos“ und Skatebård auf diesen mainstreamtauglichen – Annie halt – Hit zu reduzieren, wäre jedoch ein Fehler.

Oliver Bothe

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