Rezension

Simen Mitlid

Neutral


Highlights: Tell Me Everything // Football // Somewhere
Genre: Singer-Songwriter // Indie-Folk
Sounds Like: Sufjan Stevens // Trace Mountains // Hello Shark // Loney Dear // Moddi //Midlake // Neil Halstead

VÖ: 13.09.2019

Ganz bescheiden gibt sich Simen Mitlid, der Norweger mit dem Namen, den man sich schwer merken kann, dessen in den letzten Monaten vereinzelt auftauchende neue Songs jedoch direkt hängen blieben und ganz viel Wohlgefühl verbreiteten. Auch wenn der junge Singer-Songwriter sich nicht viel Talent zusprechen mag, mit seinem nun erschienen neuen Werk „Neutral“ legt er ein beschauliches, wunderschönes Album vor, dass vor allem beim genaueren Hinhören viel auszulösen vermag.

Simen Mitlid bringt sowohl in seinem Songwriting als auch in der musikalischen Aufbereitung seiner Songs etwas angenehm Frisches und Unbedarftes mit sich, das sich in unzähligen kleinen Details bemerkbar macht. Da gibt es Songs wie „Football“, das mit seinem unglaublich treffsicheren Refrain, der perfekten Mischung aus Beat, sanft eingewobenen Effekten, Banjo und sich im Nebel verlierenden Bläser-Samples direkt aufhorchen lässt. Und dann natürlich der Schlusstrack „Somewhere“, der aufzeigt, wie feinsinnig man Gesangslinien mit Effekten verfremden kann und mit seinem repetitiven Mantra „We can see the stars“ noch lange nachklingt. Referenzen fallen einem hier einige ein, ob Sufjan Stevens oder Trace Mountains – es sind Namen, hinter denen sich Simen Mitlid auch keineswegs verstecken muss.

Nach und nach stellt man fest, dass jeder Song des Albums diese besonderen Momente besitzt, diese Feinheiten in der Produktion, diese sanften Spannungsbögen, die sich passend zum skandinavischen Understatement von Simen Mitlid nicht aufdrängen, sondern nur dem aufmerksamen Ohr zugänglich werden. Dieses Album bringt definitv frischen Wind in eine teils etwas festgefahrene Szene, es wagt genug, aber nicht zu viel, spielt mit seinen Referenzen und bewahrt sich Eigenständigkeit. Nur Mut, Simen Mitlid, mit diesem Album braucht man sich nicht zu verstecken – ganz im Gegenteil!

Kilian Braungart

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