Rezension

Sigur Rós

Odin’s Raven Magic


Highlights: Stendur æva // Dagrenning
Genre: Neoklassik
Sounds Like: Jónsi // Olafur Arnalds // Amiina // Múm // Yndi Halda // Godspeed You! Black Emperor

VÖ: 04.12.2020

Kurz flammte etwas Hoffnung auf: Sigur Rós kündigen ein neues Album an! Nachdem die Besetzung in den letzten Jahren aufgrund diverser, teils unschöner Gründe auf Jónsi und Goggi zusammengeschrumpft ist, steht die Frage im Raum, ob die Isländer eigentlich überhaupt noch als Gruppe existieren. Diese Frage allerdings beantwortet auch „Odin’s Raven Magic“ nicht, denn „neu“ ist an dem nun veröffentlichten Material nichts.

Vielmehr erblicken nun Aufnahmen das Licht, die aus der künstlerischen Hochphase der Isländer stammen. Zwischen den Aufnahmen für das Meisterwerk „( )“ taten sie sich mit Hilmar Örn Hilmarsson, Steindór Andersen, Páll Guðmundsson und Maria Huld Markan Sigfúsdóttir zusammen, um die jahrhundertealte Dichtung „Hrafnagaldr Óðins“ zu vertonen. Aufgeführt wurde dies an verschiedenen Orten mit vollem Orchester, was nun auch dieser Veröffentlichung zu Grunde liegt: Es ist eine Live-Aufnahme, was allerdings bis zum Abschlussapplaus nicht hörbar ist.

Zählt „Odin’s Raven Magic“ damit nun überhaupt als richtiges Sigur-Rós-Album? Definitiv. Es versammelt all die Elemente, die die Band so einzigartig machten und zum Erfolg führten. Thematisch treffen hier Trolle auf Elfen, dazu erklingen epische Post-Rock-trifft-auf-Streicher-Arrangements, träumerische Passagen, etwa mit einer Steinmarimba und das grandiose Finale von "Dagrenning". Hinzu kommt natürlich Jónsis markantes Falsett. Jenes allerdings ist hier nicht zentrales Element, denn den Hauptteil der Gesangsspuren steuert der Kantor Steindór Andersen bei, was dem Sound von Sigur Rós ein ganz neues Element einbringt.

Ob nun wirklich, mittlerweile fast 8 Jahre nach „Kveikur“, noch mal etwas Neues aus dem Hause „Sigur Rós“ erscheint? „Odin’s Raven Magic“ beantwortet diese Frage überhaupt nicht, dennoch ist dieses orchestrale Monument ein mehr als nur gelungenes Lebenszeichen und hilft über einige Wartezeit hinweg.

Klaus Porst

Hören


Stendur æva

Finden


Bye-Bye



Am 5. Januar 2021 haben wir éclat eingestellt. Mehr Infos hierzu gibt es auf unserer Startseite!
Alles gelesen? Guck doch mal in unserem Textarchiv vorbei, dort gibt es fast 5000 Rezensionen und mehr als 400 Konzertberichte und Interviews.