Rezension

Shrinebuilder

Shrinebuilder


Highlights: Pyramid Of The Moon // Science Of Anger
Genre: Roadburn
Sounds Like: Black Sabbath // Neurosis // OM // Melvins // Saint Vitus

VÖ: 09.10.2009

Schon lange vor der Veröffentlichung ihres ersten Albums sorgten Shrinebuilder für Furore. Schuld daran hat vor allem die Zusammenstellung des Projektes, das aus vier Mitgliedern verschiedener Bands besteht, die im weiten Genre des Stoner-, Doom-, Noiserocks oder Posthardcorebereiches nahezu fanatisch verehrt werden: Scott Kelly von Neurosis, Scott „Wino“ Weinrich, Al Cisneros, tätig bei OM und Sleep, sowie Dale Crover von den Melvins. Drei Tage benötigte dieses Quartett zum Aufnehmen ihres Debüts. Da es allgemeinhin schwer ist, die verschiedenen Stile der beteiligten Musiker in Kategorien einzupassen, lässt sich ein Festival in den Niederlanden als kleinster gemeinsamer Nenner finden: Das Roadburn, mittlerweile so etwas wie das musikalische Heiligtum vieler. Passend dazu kündigten Shrinebuilder ihr erstes gemeinsames Konzert auf eben jenem Event an.

Wie würden Shrinebuilder nun klingen? Wie eine zusammengefasste Essenz der bisherigen Werke der Mitglieder, verdichtet auf knapp 40 Minuten? Nein, eigentlich kann das nicht funktionieren, bringt doch allein Scott Kelly genug Material für zehn solcher Alben mit. Ein zweites mögliches Szenario wäre das Motto: „Zu viele Köche verderben den Brei“. Kann es wirklich gutgehen, wenn sich vier Köpfe innovativer und avantgardistischer Bands versammeln? Nun, die Wirklichkeit findet wohl irgendwo zwischen diesen Extremen statt. Man merkt deutlich, wer wo in welchen Stücken Anteil an den Ideen und der Umsetzung hatte. Der Opener „Solar Benediction“ lässt sich zwischen dem Rock der Black Sabbath der Siebziger vermischt mit den harten Growls Kellys verorten. Schnell und druckvoll preschen die vier voran, zumindest in den ersten fünf Minuten des Stückes. Danach entwickelt sich das Ganze zu einer zähen, mäandernden Masse, die sich im typischen Stile Neurosis‘ gegen Ende entlädt. „Pyramid Of The Moon“ ließe sich zunächst ebenso eher als Neurosis-Stück identifizieren. Langsam, aber opulent bahnt es sich seinen Weg, bis Al Cisneros seinen mantraartigen Gesang beisteuert und aufzeigt, warum der Bandname passend gewählt ist.

„Blind For All To See“ überrascht als Gitarrensoli-dominiertes, nur bis zu einer unsichtbaren Lautstärkegrenze waberndes 70er-Quasi-Instrumental, erst gegen Ende fügt Kelly einige kratzende Vocals ein. In ähnliche Kerbe – viel Bezug zu den Wurzeln der 1970er Jahre - schlägt „The Architect“, welches es wirklich schafft, so zu klingen, als wäre es so alt wie die Mitglieder der Band. Als fünfter und letzter Song fungiert „Science Of Anger“, welches als Zusammenfassung der Zusammenfassung konzipiert ist – wenn Shrinebuilder die Elemente der einzelnen Bandmitglieder aufgreift und versammelt, so ist es jener Song, der als zehnminütige Kurzversion des Album auftritt. Jeder der Beteiligten darf hier ans Mikro treten und ein paar Passagen lang Werbung für seine Hauptband machen.

Klaus Porst

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