Rezension

Show Me The Body

Body War


Highlights: Tight SWAT // Two Blood Pacts // Aspirin
Genre: Hardcore // Rap // Punk
Sounds Like: Death Grips // Beastie Boys // Ratking // Fugazi

VÖ: 30.09.2016

„New York“, spätestens seit Jay-Z erklingt bei diesem Namen die Stimme Alicia Keys’ in Gedanken, inklusive schwindelerregendem Dronenflug vorbei an blitzblank glänzenden Hochhäuserfassaden. Dass dieses romantisierte Bild einer Stadt nur zum Teil gerecht wird, in der für bestimmte Menschen Polizeigewalt, Diskriminierung und Zwangsräumungen zum Alltag gehören, dürfte einleuchten. Falls nicht, schleudern einem Show Me The Body dafür ihren „Body War“ ins Gesicht.

Das Album dürfte eines der stärksten Debüts seit Jahren aus der Metropole sein. Die knapp zwanzigjährigen Bandmitglieder um Sänger Julian Pratt liefern damit ein zehnteiliges Feuerwerk ab, das als wilder Stilmix zwischen Rap, Punk und 80’s Hardcore seine Energie aus den Nischen New Yorks bezieht. „Body War“ ist ein durch und durch körperliches Album – man kann sich diese Musik nicht ohne ein physisches Äquivalent vorstellen. Kein Wunder, dass die Zuhörerschaft Konzerte der Band zwar glücklich, aber gelegentlich auch mit blutenden Nasen verlässt.

Zunächst ist da Pratts Sprechgesang – unbefangen, wütend, kraftvoll und manchmal auch poetisch bis zynisch. Dazu spielt er sein Banjo wie kein Zweiter, irgendwo zwischen Verzerrung und Feedback. Bassist Harland Steed untermalt dieses Klanggewitter dosiert mit droneartigen, drückenden Sounds, die der spröden Klangästhetik seiner Band jedoch nicht im Wege stehen. Drummer Noah Cohen verleiht den Songs schließlich einen rauen, treffenden Anschlag, essentiell für ihre Durchsetzungskraft im angezettelten „Body War“.

Wie wehrt man sich gegen eine Politik, die es jungen Menschen verbietet, Clubs zu besuchen und somit die Ausbildung von Jugend- und Subkulturen nicht gerade fördert? Show Me The Body organisieren ihre Konzerte in dem Kollektiv Letter Racer mit Freunden, zu denen auch die Hip-Hop-Kombo Ratking gehören, einfach selber oder spielen teilweise auf der Straße. So mischen sie ihre Heimatstadt gehörig auf und wurden damit zu prägenden Gesichtern der kulturellen Untergrundszene – die Musikwelt profitiert davon.

Jonatan Biskamp

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