Rezension

Shi Offline

Golaya


Highlights: 1993 // State of Mind // My Body‘s A Temple
Genre: Witch-House / Chill-Wave // Experimental
Sounds Like: Xiu Xiu // Crystal Castles // Die Antwoord

VÖ: 18.10.2019

Shi Offline sind deutsch, aber klingen nicht so. Ob es an der Mischung russischer und englischer Texte liegt oder an ihrer düsteren Art, Beats zu programmieren, kann man nicht so genau sagen. Das Duo aus den großen Städten des Nordens, Berlin und Hamburg, veröffentlicht unter neuem Namen ihr Debütalbum. Unter dem alten Namen The Other Shi haben sie in den letzten drei Jahren bereits zwei EPs herausgebracht und in der Elbphilarmonie gespielt. Ziemlich viel, bevor man ein Album releast.

Ein beliebtes Konzept funktioniert auch hier: Weicher Sphärengesang und harte Beats. Wobei die beiden auch tauschen, zu wildem Gesang und zurückhaltenden Synths. Alisa Tsybina säuselt und schreit, flüstert und nuschelt, verzerrt oder klar: „I will fuck you up, bruuuah!“ In den besten Momenten des Albums hat man den Eindruck, CocoRosie und Moderat hätten sich getroffen, um Zaubersprüche, Best-Practice und eine Prise Wut auszutauschen – und das Ganze aufgenommen. Gordian Gleiß lässt es ordentlich Wummern und ist sich zwischendurch nicht zu schade, 90er-Jahre- Techno neues Leben einzuhauchen. Die Horde von Assoziationen, die ihre Musik auslöst (Lykke Li, Die Antwoord oder t.A.T.u.) ist Fluch und Segen zugleich.

Die stärksten Momente haben Shi Offline in „My Body‘s A Temple“ oder „State of Mind“, wenn alle Elemente, die in andere Richtungen verweisen, sich plötzlich finden und wirklich nach Shi Offline klingen – und nicht nach einer weiteren Witch-House-Band. Genug Energie und Sound ist da, um auf der nächsten Walpurgisnacht richtig zu raven.

Peter Heidelbach

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